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Halb voll oder halb leer?

20. August 2006

Wasserverbrauch in Deutschland ist vergleichsweise niedrig - Statistiken lassen jedoch den indirekten Konsum durch Landwirtschaft und Industrie außen vor

 

Frankfurt, 20. August 2006: Deutschland belegt in Europa nach Ungarn und Belgien einen sehr guten dritten Platz unter den Wassersparern: Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche pro Tag nur 124 Liter Trinkwasser. Doch die Wahrheit steckt laut WWF-Süßwasserexperte Martin Geiger im Detail: Anlässlich der heute startenden World Water Week in Stockholm macht er darauf aufmerksam, dass der tatsächliche Wasserverbrauch der Bundesbürger wesentlich höher liege: Jeder Deutsche konsumiere fast das 34-Fache - wenn man die für die Produktion, Verarbeitung und den Transport von Nahrungs- und Genussmitteln sowie Industriegütern benötigten Wassermengen dazu rechnet. Beispielsweise führe der Import von frühen Erdbeeren und Gemüse aus der Mittelmeerregion, von Blumen aus Afrika und Baumwolle aus Asien zu dieser negativen Wasserbilanz. Weiterer Minuspunkt: Die massive künstliche Bewässerung dieser Produkte macht das Wasser dort immer knapper.

 

"Wer übers Wassersparen redet, darf sich nicht auf Regentonnen und effiziente Waschmaschinen beschränken. Ob wir in Zukunft noch ausreichende Wasserreserven auf der Welt haben, wird in der Landwirtschaft und Industrie entschieden", stellt Geiger klar. Für diese Behauptung bringt der Wasserexperte ein anschauliches Beispiel: In jede Tasse Kaffee fließen ungefähr 140 Liter Wasser, bis das deutsche Lieblingsgetränk auf dem Frühstückstisch steht.

 

Generell erteilt Geiger den Deutschen gute Noten beim Wassersparen: Das in den vergangenen zwanzig Jahren gestiegene Umweltbewusstsein und der zunehmende Einsatz neuer Technologien, zum Beispiel in Toilettenspülungen und Haushaltsgeräten, ließen den Wasserverbrauch stetig sinken. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern werde Wasser hierzulande effektiv genutzt, nur wenig versickere in schadhaften Leitungsnetzen. Sorge bereitet dem Umweltschützer allerdings die Verteilung des Wasserverbrauchs: "60 Prozent unseres Wassers fließt fürs Großreinemachen durch Badewannen, Wasch- und Spülmaschinen und Putzeimer. Ein weiteres Viertel rauscht durch die Toilette in die Kanalisation. Hier gibt es noch erhebliche Einsparpotenziale", so Geiger.

 

In der kommenden Woche werden sich Experten aus aller Welt in Stockholm auf Einladung des Stockholm International Water Institute mit den drängenden Fragen rund um die weltweite Wasserkrise auseinandersetzen: Wer trägt die Kosten für die Behebung der Wasserprobleme? Wie soll langfristig mit zunehmenden Umweltkatastrophen wie Überflutung, Wasserknappheit und Dürren umgegangen werden?

 

Quellen: Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft, Water footprints of Nations (UNESCO Institute for Water Education)

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