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Heillose Nachfrage

05. April 2006

Zum Weltgesundheitstag am 7. April: Immer mehr wichtige Heilpflanzen sind bedroht

 

Frankfurt a. M., 05.04.2006: Die größte Apotheke der Welt ist die Natur: Schätzungsweise 50.000 bis 70.000 Heilpflanzenarten sorgen als Tropfen, Salben oder in Tees für Linderung bei einer ganzen Palette von Leiden. Über 70 Prozent der Pflanzen werden nicht kommerziell angebaut, sondern stammen aus der freien Natur. Das Problem: Die sanfte Medizin ist inzwischen so begehrt, dass sich viele Pflanzenbestände nicht mehr erholen können. Etwa 15.000 Heilpflanzen sind bereits bedroht. Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April warnt der WWF davor, weiterhin Raubbau an den Rohstoffen der Medizin von morgen zu betreiben, und fordert eine nachhaltige Erntepraxis.

 

 

 

Beispiel Schlüsselblume: Die wilde Verwandte der Balkon-Primel hilft gegen Husten und Schnupfen. 'Von ihr wird oft viel mehr geerntet, als nachwächst', sagt WWF-Expertin Britta Pätzold. 'Die Verlierer sind Natur und Mensch gleichermaßen. Gerade in den ärmeren Regionen Europas entziehen sich die Sammler langfristig durch übermäßiges Ernten selbst ihre Lebensgrundlage.'

 

 

 

Um dem zuvorzukommen, unterstützt der WWF beispielsweise in Rumänien Sammler dabei, Arnika in verträglichem Maße zu ernten. 50.000 Kilo der bei Verletzungen begehrten Arnikablüte verbraucht allein der deutsche Markt im Jahr - zu viel für die Pflanze, die den alten Germanen als heilig galt. Nun erarbeiten die rumänischen Sammler gemeinsam mit Experten Wege, den Lebensraum der Pflanze zu schützen und gleichzeitig ihr eigenes Einkommen auf Dauer zu sichern.

 

 

 

'Der Handel mit Heilpflanzen ist ein einträgliches Geschäft, weltweit wird jährlich Rohmaterial im Wert von ungefähr 1,2 Milliarden US-Dollar importiert', erläutert Pätzold. 'Deutschland ist mit einem Verbrauch von über 45.000 Tonnen im Jahr Spitzenreiter in Europa und steht weltweit an vierter Stelle. Deshalb tragen wir hierzulande eine besondere Verantwortung für den Schutz der Heilpflanzen.'

 

 

 

Derzeit arbeitet der WWF gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz und der Weltnaturschutzunion IUCN an einem internationalen Standard für die Sammlung von Heilpflanzen. Dieser soll dafür sorgen, dass auch in Zukunft noch gegen jedes Leid ein Kraut gewachsen ist.

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