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Hitze drückt Sozialprodukt

08. Februar 2007

Studie: Verlust der Produktivität und mehr Hitzetote durch Klimawandel in Deutschland

 

Hamburg - In Folge des Klimawandels droht in Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts eine deutliche Zunahme der Hitzetoten und Verlust der Arbeitsproduktivität. Dies geht aus einer Studie hervor, die das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der WWF heute in Hamburg vorgestellt haben. „Wegen der steigenden Anzahl von Hitzetagen in Deutschland könnten wir jährlich 0,1 bis zu 0,5 Prozent des Sozialprodukts verlieren“, warnt der Autor der Studie, IfW-Professor Gernot Klepper.  

 

Der vom WWF beim IfW in Auftrag gegebene Report mit dem Titel „Kosten des Klimawandels“ untersucht die Wirkung steigender Temperaturen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen in Deutschland für die Jahre 2071-2100. In regionalen Prognosen haben die Wissenschaftler für 16 deutsche Städte die Zunahme sogenannter Hitzetage – das sind Tage mit mehr als 32 Grad gefühlter Temperatur - hochgerechnet. Besonders betroffen sind der Oberrheingraben und die Ballungsräume. Spitzenreiter ist Mannheim mit bis zu 23 mehr Hitzetagen pro Jahr. In Frankfurt werden 19, in Leipzig 12 und in Hamburg 9 zusätzliche Hitzetage erwartet.  

 

Die Folgen sind tragisch: Ohne Anpassungsmaßnahmen werde die Zahl der Hitzetoten um 5.000 bis 15.000 pro Jahr ansteigen, so die IfW-Prognose. Heute schon werden etwa 24.500 Patienten jährlich aufgrund hitzebedingter Beschwerden in die Krankenhäuser eingeliefert. Grund: die enormen Belastungen des Herzkreislaufsystems und der Lungenfunktionen. Nach der Studie wären in Zukunft etwa 150.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr wahrscheinlich. Allein die Krankenhauskosten stiegen dadurch voraussichtlich um 300 bis 700 Millionen Euro.  

 

Die höchsten Kosten drohen allerdings durch die Leistungsminderung der Arbeitnehmer an extremen Hitzetagen. Die Abnahme der Produktivität um bis zu 12 Prozent führe zu einem volkswirtschaftlichen Verlust von bis zu 10 Milliarden Euro. Bereits heute sind nach diesem IfW-Szenario bereits 2,4 Milliarden Euro der Wirtschaftsleistung durch Hitztage verloren gegangen.

 

IfW und WWF verweisen darauf, dass sich die volkswirtschaftlichen Kosten der durch den Klimawandel hervorgerufenen Gesundheitseffekte bislang nur bedingt vorhersagen lassen. In Zukunft sei noch eine Vielzahl von ungeklärten Gesundheitswirkungen zu erforschen – wie etwa die Ausbreitung von Zecken und neuer allergener Pflanzen.  

 

Der WWF betont, dass die Erwärmung schon heute deutlich spürbar ist. „Die Kosten des Klimawandels lassen sich nur eindämmen, wenn wir sofort die klimaschädlichen Treibhausgase drastisch reduzieren“, so WWF-Klimaexpertin, Regine Günther. „Keine warmen Worte, sondern eiskaltes Handeln der Politiker ist der einzige Ausweg.“ Die Bundesregierung müsse sich in Europa für eine Minderung der Treibhausgase um 30 Prozent bis 2020 stark  machen. Berlin muss endlich die von der EU-Kommission geforderte Obergrenze von 453 Millionen Tonnen Treibhausgase beim Emissionshandel akzeptieren und nicht länger die Kohlekraftwerke bevorzugen.  

 

„Deutschland darf nicht länger zugunsten der Industrie Klimaschutzbremser in Europa sein“, mahnt Regine Günther. Scharf kritisiert der WWF die Rolle der Automobilbauer bei den jüngsten Brüsseler Entscheidungen: „Es ist unakzeptabel, dass die Autoindustrie sich mit ihrer klimafeindlichen Politik durchsetzen konnte. Sonst gibt sie immer Vollgas, nur beim Klimaschutz steht sie auf der Bremse“, kritisiert Günther.

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