Content Section

Hochwasser spiegeln verfehlte Fluss-Politik wieder

16. Mai 2006

EU-Hochwasserkonferenz in Wien (17. und 18. Mai 2006)

 

Frankfurt, Wien, 16. Mai 2006: Nach aktuellen Berechnungen des WWF kam es in Europa seit 2000 zu 123 schweren Überschwemmungen. Nahezu alle EU-Staaten waren in den letzten sechs Jahren von Hochwassern betroffen. Die Umweltschützer des WWF hoffen, dass die Delegierten der ab morgen tagenden EU-Hochwasserkonferenz in Wien die Weichen für einen nachhaltigen Hochwasserschutz in ganz Europa stellen. Nur so könne laut WWF die meist unvermeidbare Gefahr von Überschwemmungen verringert und die Sicherheit von Millionen Menschen, die in den Einzugsgebieten der Flüsse leben, garantiert werden. Die seit Januar vorliegende EU-Hochwasserrichtlinie ist nach Ansicht des WWF nicht ausreichend.

 

 

 

Der WWF rechnet zum Start der Konferenz vor, dass allein der Donauraum seit dem Jahr 2000 mehr als 20 Mal von schweren Überflutungen heimgesucht wurde. Zuletzt standen im April 2006 riesige Flächen in Serbien und Rumänien unter Wasser. Georg Rast, seit vielen Jahren Hochwasserexperte des WWF Deutschland, wundert sich nicht über die katastrophalen Hochwasser an der Donau: 'An der mittleren und unteren Donau von Ungarn bis zum Delta im Schwarzen Meer sind in den letzten 50 Jahren gut 80 Prozent der natürlichen Überflutungsflächen verloren gegangen. Die obere Donau in Bayern und Österreich ist nahezu vollständig kanalisiert. Der Fluss antwortet darauf mit immer höherem Hochwasser.'

 

 

 

Die Umweltschützer des WWF machen die EU-Hochwasserkonferenz vor allem zu einer Nagelprobe für die Donau: Sie ist mit zehn Anrainerstaaten und 18 Ländern, die sich das Einzugsgebiet teilen, der internationalste unter allen Flüssen der Erde. Entlang der Donau leben etwa 83 Millionen Menschen. Sie sind von einer verfehlten Hochwasserpolitik direkt betroffen. 'Wer an der Donau Hochwasserschutz betreiben will, muss unbedingt auf europäischer Ebene und international zusammenarbeiten. Dafür muss die aktuelle EU-Hochwasserkonferenz die entscheidenden Impulse geben', fordert Georg Rast.

 

 

 

Nach Ansicht von Rast ist der technische Hochwasserschutz durch den Bau von Deichen in Europa mittlerweile an seine Grenzen gekommen: 'Das bringt uns nicht weiter. Das einzige, was hilft: Wir müssen den Flüssen mehr Raum geben, wenn wir die Menschen in Europa vor weiteren Flutkatastrophen bewahren wollen.'

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken