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Illegaler Handel bedroht Orang-Utans

16. April 2009

Menschenaffen als Haustiere und Schauobjekte. / WWF: Besitzer von Orang-Utans werden nicht bestraft.

 

Während jüngst ein Forscherteam auf der Insel Borneo den sensationellen Fund einer bislang unbekannten Orang-Utan-Population mit bis zu 5.000 Exemplaren vermelden konnte, sieht es für den roten Menschenaffen auf Sumatra weiterhin düster aus. Das offenbart ein neuer Report, der von TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion, heute veröffentlicht wurde. Demnach gibt es zwar scharfe Gesetze gegen den illegalen Handel von Orang-Utans; auch die private Haltung der Tiere ist verboten, doch die Besitzer werden nicht zur Rechenschaft gezogen. „Es ist absurd, die angeblichen Affenliebhaber geben ausgewachsene Orang-Utans, die nicht mehr als Haustiere taugen, in Auffangstationen ab, werden aber nicht zur Rechenschaft gezogen“, sagt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF.  

 

In bestimmten gesellschaftlichen Kreisen gilt es nach wie vor als Statussymbol, einen Affen als Haustier zu besitzen. Neben Orang-Utans landen oft auch Gibbons in den Haushalten wohlhabender Indonesier. Außerdem werden Menschenaffen immer wieder als Schauobjekte in Hotels und Vergnügungsetablissements gehalten. Viele der Tiere leiden an Depressionen oder werden mit Krankheiten wie etwa Hepatitis infiziert. In den vergangenen dreißig Jahren wurden rund 2.000 Orang-Utans konfisziert oder von den Haltern in speziell eingerichteten Auffangstationen abgegeben. Zum Vergleich: In freier Wildbahn leben auf der indonesischen Insel Sumatra derzeit gerade einmal noch 7.300 der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Besorgniserregen sei nach Angaben von TRAFFIC der enorme Anstieg an abgegebenen Tieren in den vergangenen Jahren. So wurden zwischen 2002 und 2008 in der neu eröffneten Sibolangit-Auffangstation über 140 Orang-Utans abgegeben, während es in der Vorgänger-Station, dem Bohorok-Zentrum, zwischen 1995 und 2001 gerade einmal 30 waren.  

 

Die Zahl der abgegebenen Tiere sei, so der WWF, ein Indikator dafür, dass es wieder zunehmend in Mode komme, illegal Orang-Utans in Privathaushalten zu halten. „Im Jahr 2007 hatte die indonesische Regierung einen Aktionsplan zur Rettung des Orang-Utans verabschiedet. Seitdem ist jedoch nicht viel geschehen“, kritisiert Stefan Ziegler vom WWF. „Für die Regierung in Jakarta scheint das Überleben des Orang-Utans von untergeordneter Bedeutung zu sein.“ Die Umweltschutzorganisation verlangt ein härteres Vorgehen der Behörden gegen Wilderei und verbotene Haltung der geschützten Menschenaffen. Die Besitzer sollten zur Rechenschaft gezogen und Gesetze angewendet werden.

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