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Illegaler Kaffee: Den Preis bezahlt der Tiger mit seinem Leben

17. Januar 2007

WWF-Studie: Kaffee aus indonesischem Nationalpark wird in Deutschland verkauft

 

Frankfurt a. M. - Stammt der Kaffee in unserer Tasse aus legalem oder illegalem Anbau? Für den Verbraucher ist das nicht nachzuvollziehen, beklagt die Umweltorganisation WWF in einer heute vorgelegten Studie. Darin legen die Naturschützer die Ergebnisse einer Untersuchung des illegalen Kaffeeanbaus im Bukit Barisan Selatan Nationalpark auf der indonesischen Insel Sumatra dar. „Der Preis ist zu hoch für Tiger, Elefanten und Nashörner: Sie könnten in diesem Nationalpark in weniger als zehn Jahren ausgestorben sein, wenn nicht die illegale Landnutzung für Kaffeeanbau innerhalb des Parks aufhört“, so Claudia Kitschke, WWF-Artenschutzexpertin.  

 

Indonesien ist der zweitgrößte Exporteur der Kaffeesorte Robusta, die oft in löslichem Kaffee und Kaffeepackungen in Supermärkten angeboten wird. In seinen Untersuchungen fand der WWF heraus, dass die Bauern im Nationalpark auf mehr als 45.000 Hektar Fläche Kaffee anbauen mit einer jährlichen Ernte von über 19.600 Tonnen Kaffee, der mit der Ernte aus legalem Kaffeeanbau vor Ort vermischt wird. Der illegal angebaute Kaffee aus Indonesien wird auf diese Weise in 52 Länder exportiert und an Firmen wie Kraft Foods, Nestlé und Lavazza verkauft. Bisher haben weder Exporteure noch Importeure Mechanismen etabliert, diese Beimischung illegalen Kaffees zu entdecken und zu vermeiden. Diese Firmen haben sich deshalb in Gesprächen mit dem WWF bereit erklärt, Maßnahmen einzuleiten, um den Kauf von Kaffee aus illegalem Anbau zu vermeiden, den Kauf nachhaltig angebauten Kaffees zu unterstützen und den Lebensraum zahlreicher Arten im Nationalpark wiederherzustellen. Deutschland ist vor den USA, Japan und Italien der größte Importeur des „gemischten“ Kaffees aus dieser Region Sumatras in den Jahren 2003 bis 2005.  

 

Mit Satellitenaufnahmen, Interviews mit den Kaffeebauern und –händlern und durch Überwachung der Handelsrouten konnte der WWF den illegal angebauten Kaffee der Sorte Robusta vom Bukit Barisan Selatan Nationalpark über seine Exportwege zu multinationalen Kaffeeunternehmen bis in die Regale von Supermärkten in USA, Europa und Asien verfolgen. Der Nationalpark an der Südspitze Sumatras ist eines der letzten bedeutenden Schutzgebiete für viele bedrohte Arten: Von weniger als 400 frei lebenden Sumatra-Tigern leben vermutlich rund 40 Tiere in diesem Nationalpark, außerdem 500 Sumatra-Elefanten von noch etwa 3.000 Tieren insgesamt sowie 60 bis 85 Sumatra-Nashörner. Nach Angaben des WWF sind bereits knapp 30 Prozent der Nationalparkfläche verloren gegangen.  

 

„Der WWF will der legalen Kaffeeindustrie in der Lampung-Region keinen Riegel vorschieben“, sagt Kitschke weiter. „Aber wir fordern von den multinationalen Kaffeefirmen, dass sie strenge Kontrollen der Handelswege einführen. Die indonesische Regierung muss außerdem den Nationalpark besser schützen.“

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