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In Amazonien lodern die Flammen

14. September 2007

Zum heutigen Tag der Tropenwälder: WWF-Experte warnt vor der anhaltenden Zerstörung der Amazonas-Regenwälder

 

Dichte Qualmwolken überziehen derzeit die tropischen Regenwälder Amazoniens. Flughäfen wurden geschlossen, viele Häuser sind zerstört, zahlreiche Gebiete sind unpassierbar oder gesperrt. Schuld an dieser alljährlich wiederkehrenden Naturkatastrophe ist nach Ansicht des neuen WWF-Tropenwaldexperten Roberto Maldonado die anhaltende Zerstörung der Wälder durch Brandrodung: „Die Feuer werden jedes Jahr zum Ende der Trockenzeit gelegt, wenn die Holzfäller ihr Werk vollendet und die wertvollsten Bäume abtransportiert haben. Dann wird alles dem Erdboden gleichgemacht und anschließend zu Plantagen für den Anbau von Soja oder Zuckerrohr oder zu Viehweiden umfunktioniert.“

 

Besonders schlimm betroffen ist zurzeit der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso. Maldonado kehrte gerade von seiner ersten Projektreise in den dortigen Nationalpark Juruena zurück, in deren Verlauf es in Mato Grosso genau 3.012 Mal brannte: „Das Blätterdach war immer in dichten Qualm gehüllt, und die Luft war zum Atmen zu schwer, sodass wir unser Reiseprogramm nur eingeschränkt durchführen konnten.“ Auch die Erhebungen des brasilianischen Instituts für Raumfahrtforschung CPTEC bestätigen, dass die Feuer unmittelbar mit der Regenwaldzerstörung zusammenhängen. Den Aufzeichnungen zufolge nimmt die Anzahl der Brandherde seit 2004 ab. Man geht davon aus, dass dies auch mit den sinkenden Entwaldungsraten Brasiliens zusammenhängt. Nach offiziellen Schätzungen sind die zerstörten Flächen in 2006 auf rund 10.000 Quadratkilometer zurückgegangen – das sind rund ein Drittel weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

 

Doch Maldonado warnt davor, angesichts dieses Positivtrends den anhaltenden Druck auf die Tropenwälder zu verharmlosen. Nach wie vor rücke die „Entwaldungsfront“ aus dem Süden und Südosten kommend in den Amazonas-Regenwald vor, um den weltweiten Hunger der Holz-, Soja-, Zucker- und Fleischindustrie zu stillen. Dadurch könnte in wenigen Jahrzehnten ein „Point of no return“ erreicht sein. Dann werde sich der Amazonas-Tropenwald - noch immer der größte der Welt - aufgrund des gestörten internen Wasserkreislaufs nicht mehr von selbst regulieren können und damit seine natürlichen Funktionen als riesiges Süßwasserreservoir, CO2-Speicher und Zentrum der Artenvielfalt unwiederbringlich verlieren.

 

„Selbst wenn wir derzeit eine Verringerung der Entwaldung am Amazonas erleben – 10.000 Quadratkilometer pro Jahr sind immer noch viel zuviel. Das entspricht der Hälfte Hessens“, stellt Maldonado fest. Der WWF Deutschland wird deshalb in Kürze eine bundesweite Rettungsinitiative für den Amazonas starten, um ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: Bis 2012 soll in Amazonien ein riesiges Schutzgebietsnetzwerk in der Größe Spaniens aufgebaut werden. Innerhalb der nächsten Jahre wollen sich die Umweltschützer außerdem dafür einsetzen, dass zum Beispiel bestehende Schutzgebiete durch nachhaltige Finanzierungsmodelle abgesichert werden. Dazu fand bereits vor zwei Wochen in Sao Paolo auf Einladung des WWF und der deutsch-brasilianischen Handelskammer eine Konferenz deutscher und brasilianischer Unternehmen statt.

 

Den Tag der Tropenwälder begeht der WWF Deutschland seit 1989 am 14. September, dem Geburtstag des bedeutenden Dschungel-Forschers Alexander von Humboldt (1769-1859).

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