Der globale Countdown
Gerechtigkeit oder Selbstzerstörung

- © KiWi
Wer immer irgendwo auf der Welt einen Supermarkt oder ein Kaufhaus betritt, um ein Produkt zu erwerben, tritt damit in Verbindung mit Tausenden von Menschen rund um die Erde. Schon mehr als ein Viertel aller weltweit produzierten Waren und Dienstleistungen werden international gehandelt, der Austausch ist doppelt so intensiv wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Gleichzeitig ist die Menschheit so reich wie nie zuvor. Im Durchschnitt erzielt jeder Erdenbürger ein Einkommen von rund 10.000 Dollar im Jahr, genug, dass niemand mehr verhungern, verdursten oder mangels medizinischer Grundversorgung sterben müsste.
Doch Einkommen und Kapital sind ungleicher verteilt denn je. Mittlerweile verfügt nur ein Prozent der Menschheit über 40 Prozent des gesamten Anlagevermögens, während immer größere Teile der Bevölkerung mit schrumpfenden Löhnen und wachsender Unsicherheit leben müssen. Gleichzeitig sprengt die Ressourcenverschwendung die ökologische Tragfähigkeit des Planeten. Ein Viertel der Menschheit beansprucht drei Viertel der verfügbaren Ressourcen für sich.
Viele Nationen haben den Wettkampf um den Zugang zu Öl, Süßwasser und fruchtbaren Böden schon verloren. Allein deshalb müssen reiche Länder wie Deutschland einen neuen, nachhaltigen Lebensstil entwickeln, wenn sie einen globalen Kampf um Wasser, Erdöl und andere Ressourcen verhindern wollen. Dazu zwingt sie vor allem der bereits in Gang gesetzte Klimawandel. Er ist die Summe aller Fehler einer veralteten Wirtschaftsweise, die auf Ressourcenverschwendung und vor allem dem Verbrauch fossiler Rohstoffe basiert. Das bedroht bis zur Mitte des Jahrhunderts eine halbe Milliarde Menschen mit Hunger und Vertreibung.
Diese heraufziehende globale Krise kann kein Land allein bewältigen. Doch die bestehenden Organisationen und Strukturen sind ineffektiv. Die Machtverteilung in den Leitungsgremien ist einseitig auf die Wohlstandsstaaten und die Großmächte von gestern zugeschnitten.
Das muss sich ändern. Entweder es finden sich Lösungen, mit denen die Wohlstandsgewinne der globalen Marktwirtschaft und die Lasten zur Entschärfung der globalen Krisen gerecht verteilt werden. Oder aber die Globalisierung zerstört sich selbst.
Nach „Die Globalisierungsfalle“ 1996 hat Autor Harald Schumann jetzt zusammen mit Christiane Gräfe in seinem neuen Buch der dunklen Seite der Globalisierung die helle hinzugefügt – die Chance auf mehr Gerechtigkeit und die Lösung unserer globalen Umweltprobleme.
Gespickt mit Fakten, bedrückend spannend und dabei in klarer Sprache analysieren die Autoren den globalen Gang der Dinge. Ihre zentrale These: Die Menschheit steht am Scheideweg. Entweder die Welt findet den Weg zur globalen Kooperation, oder sie wird in gewalttätigen Konflikten versinken.
Drei großen Zukunftsaufgaben müssen bewältigt werden: die Bändigung der globalen Finanznetzwerke, die Überwindung der Massenarmut in den armen und der sozialen Spaltung in den reichen Ländern, und die Ersetzung der fossilen und nuklearen Ressourcen durch erneuerbare Energiequellen. Vor allem der Klimawandel, so die Autoren, wird die Welt zum Dialog zwingen – und schließlich zu wirklich handfesten gemeinsamen Lösungen.
WWF
Harald Schumann, Christiane Gräfe: Der globale Countdown, Gerechtigkeit oder Selbstzerstörung - Die Zukunft der Globalisierung; Verlag Kiepenheuer & Witsch Verlag 2008, 464 Seiten, ISBN 978-3462039795, 19,95 Euro

