Fisch kaputt
Fisch ist gesund, Fisch ist lecker, Fisch ist in Mode – Fisch kaputt. So heißt das Buch des Journalisten Charles Clover. Wie er zu dieser Aussage kommt? Er war unterwegs auf den großen Fischmärkten der Welt, interviewte die großen Manager der Fischindustrie, sprach mit dem kleinen Fischer im Hafen, schaute in die Küche der Stars und die Töpfe der Hausfrauen. Sind viele der Verbraucher bei Obst, Gemüse und Fleisch schon auf Ökolandbau "getrimmt", so achten beim Fisch bisher noch wenige Verbraucher auf einen Nachweis, dass ihre Meeresfrüchte aus nachhaltigem Fang stammen.
Das Buch liest sich wie ein "Bowling for Columbine" auf dem Gebiet der Fischindustrie. Einfach und ebenso erschreckend erklärt Clover die neuesten Fischfangmethoden und -technologien und macht deutlich, wie nicht nur die Fischbestände, sondern auch arme Länder ausgebeutet werden. Hintergründe und Zusammenhänge sind gut recherchiert, allerdings teilweise stark vereinfacht dargestellt. Ähnlich wie Michael Moore bemüht sich Clover sehr darum, die Schuldigen and die Wand zu stellen. Nichtsdestotrotz erklärt er sachlich und spannend, warum zum Beispiel "delfinfreundlicher" Tunfisch eine einzige Luftblase ist, ein PR-Spruch der Tunfischindustrie – und worauf man stattdessen beim Fischkauf achten sollte.
Mit dem Hinweis auf das MSC-Siegel, das auch vom WWF unterstützt wird, und weiteren hilfreichen Tipps bietet er dem Verbraucher nicht nur Hilfestellung für den Einkauf, sondern gibt ihm auch die Verantwortung in die Hand. Denn: Die Konsumenten, die sich keine Gedanken über die Herkunft der Fische machen, sind für die Überfischung ebenso verantwortlich wie die Fischindustrie, die die Bestände überfischt, sich um Fangquoten streitet, um sie dann zu missachten und auch um geschützte Gebiete keinen Bogen macht.
MAG
Charles Clover: Fisch kaputt
Riemann Verlag, München 2005
446 Seiten
ISBN: 3-570-50056-X, 23


