Jahrbuch Ökologie 2008

Die aktuelle ökologische Situation und die Belastungstrends in den verschiedenen Bereichen der natürlichen Umwelt

Wir wissen: Würden alle auf der Welt so viele Ressourcen verbrauchen wie wir in den reichen Industrieländern, der Kollaps wäre absehbar. Das Wissen um die „Grenzen des Wachstums“ führt jedoch zu keiner Kehrtwende. Im Gegenteil: Wer weiß schon, dass gerade die Bundesregierung „zum Halali auf die Rohstoffvorkommen der Dritten Welt“ geblasen hat – zum Beispiel durch staatliche Investitionsgarantien für solche Unternehmen, die sich in Bergwerke und Rohstoffvorkommen in politisch instabilen Ländern des Südens einkaufen.
Dies ist nur eine der unbequemen Wahrheiten, die das aktuelle „Jahrbuch Ökologie“ vermittelt.

Eine andere beantwortet die Frage: Warum kauft China in Europa Unmengen Schrott auf? Weil der Weltmarkt längst nicht mehr hinterher kommt mit der Nachfrage der rasch prosperierenden Schwellenländer. Um eine Tonne Stahl zu erzeugen, werden noch immer 2,5 Tonnen Erz benötigt. Berechnet man noch das bewegte Gestein und Erdreich mit ein, dann muss man für die Gewinnung von einer Tonne Kupfer rund 300 Tonnen Gestein umschichten.

Eine Steuer auf die Entnahme von Primärrohstoffen könnte diese enorme ökologische Belastung der Umwelt reduzieren. Dass sie früher oder später kommen wird, steht außer Frage. Denn unsere mineralischen Ressourcen sind endlich, unsere Kupfervorräte etwa reichen vermutlich nur noch 25 Jahre.

Diese und viele anderen Beispiel in diesem Buch zeigen: Mit unserem bisherigen Lebensstil – ständiger Zuwachs an Konsumgütern, immer größere und leistungsfähigere Produkte – schaden wir offenbar anderen auf der Welt. Aber nützen wir ihnen, indem wir unser Leben umstellen? Und: Sind wir nicht naiv, wenn wir uns kasteien, Chinesen und Amerikaner aber nicht?

Diesen und weiteren Fragen gehen die AutorInnen des aktuellen Bandes nach – der Klimawandel ist da nur ein konkreter Schwerpunkt, an dem die Notwendigkeit neuer ökosozialer Lebensstile erörtert wird. Dies geschieht durchaus noch zum Teil in worthülsigem sozialpädagogischen Jargon, gewinnt aber immer dann an Fahrt, wenn konkrete Fakten und Vorhaben und deren Machbarkeit geschildert werden.

So gelingt etwa ein spannender Einblick in die Zusammenhänge zwischen Finanzbranche und Klimawandel. Und man erfährt über Fortschritte in Richtung klimaneutralen Wirtschaftens: So hat etwa der Allianz-Konzern 2006 eine konzernweite Klimastrategie mit 17 Zielen und 80 konkreten Vorhaben für alle Geschäftsbereiche beschlossen, nachdem der WWF in einer Studie für die Allianz-Tochter Dresdner Bank die Klimarisiken beleuchtete.

Auch bei anderen komplexen Zusammenhängen (wie funktionieren Lebensraumkorridore für seltene Arten? Wie lassen sich ernerbare Energien in der Agrarwirtschaft Ostdeutschlands vertsärkt nutzen?) verhilft das Jahrbuch Ökologie mit seinen verschiedenen Betrachtungsweisen in über 35 Beiträgen wieder zu deutlich mehr Durchblick im Natur- und Umweltschutz – jetzt immerhin schon im sechszehnten Jahr.

Bey

Günter Altner, Heike Leitschuh, Gerd Michelsen u.a. (Hrsg.)
Jahrbuch Ökologie 2008
Beck Verlag, September 2007, 319 Seiten, broschiert, ISBN-13: 978-3406548178, 14,95€