Kamtschatka entdecken

Zu den Bären und Vulkanen im Nordosten Sibiriens

Kamtschatka liegt wahrlich am Ende der Welt: Elf Zeitzonen von uns und jeglichen Industriezonen entfernt, ein Festland-Zipfel am östlichen Ende der russischen Föderation, rau, unwirtlich, ursprünglich. Hier tummeln sich extra große Braunbären und besonders viele Lachse.

Zugleich ragen viele aktive schneebedeckte Vulkane in den Himmel. Denn die Halbinsel liegt auf einer besonders unruhigen Zone der Erdkruste: Dort taucht wie überall entlang des pazifischen Feuerrings die oeanische Erdkruste unter die kontinentale ab-was immer mal wieder zu kleineren Rauchwölkchen oder (seltener) zu größeren Ausbrüchen führt. Was für Besucher im Allgemeinen nicht gefährlich, sondern eher vorteilhaft ist: Sind doch die heißen geothermalen Quellen eine Wohltat nach so mancher langen Wanderung.

Viele Jahrzehnte war die subarktische Halbinsel im westlichen Pazifik für normale Westeuropäer tabu. Doch seit Beginn der neunziger Jahre steht sie Touristen offen. Der WWF hat sich von Anfang an darum gekümmert, dass diese Besucher möglichst naturnah die weitgehend ünberührte Wildnis erkunden können.

Jetzt gibt es endlich auch einen passenden Reiseführer für die Erkundung von Kamtschatka.

Er wendet sich sowohl an diejenigen Besucher Kamtschatkas, die mit Reiseagenturen unterwegs sind und Näheres zum bereisten Gebiet oder zur Landeskunde wissen möchten, als auch an die Individualisten, die mehr Hilfe und Ratschläge während der Vorbereitung und Durchführung benötigen.

Das Wort Massentourismus kennt man auf Kamtschatka glücklicherweise noch nicht. Die geführten Touristengruppen und die Individualisten verstreuen sich über die Weite der Landschaften. Dennoch wächst die touristische Infrastruktur von Jahr zu Jahr. Es werden Wanderpfade in den zahlreichen Naturparks angelegt, Holzhütten gebaut und Zeltplätze mit Bademöglichkeiten an warmen Quellen eingerichtet. Die Anzahl der im Tourismussektor beschäftigten Menschen wächst zunehmend, was sich vor allem an der großen Zahl lokaler Reiseagenturen zeigt, aus deren vielfältigen Programmen man verschiedenste Aktivitäten wählen kann.

Für Alleinreisende und spontan Entschlossene ist es jedoch nach wie vor nicht ganz einfach, sich ohne handfeste Informationen selbst zu organisieren. Hier ist das Buch von Andreas von Heßberg sehr hilfreich. Schon allein bei der grundsätzlichen Ausrichtung der Reise: Ob als Trekkingtour durch die Wildnis oder mit dem Schlauchboot zum Lachsfischen - ob mit dem Lkw zu den Vulkanen oder per Helikopter in entfernte Landesteile: die Vielfalt an Angeboten und Aktivitätsmöglichkeiten ist riesig. Außerdem bietet der Reiseführer einen kompakten Überblick über Aspekte zur Natur Kamtschatkas und der heutigen Situation der Menschen und der Gesellschaft-mit ausführlichen Informationen über Besiedlungs- und Erforschungsgeschichte, Landschaft, Ökologie und aktueller Situation.

Wichtige Eindrücke vermitteln auch die verschiedenen kurzen Reiseberichte anderer Autoren. Handfeste Hilfen sind die Reisetipps von Angeln bis Zollkontrollen, der kleine Sprachführer und die Artenlisten mit deutschen, englischen, russischen und lateinischen Säugetier- und Vogelnamen.

Erfreulich sind die Hinweise auf die WWF-Aktivitäten auf Kamtschatka und die Tipps für einen umweltverträglichen Trekkingtourismus.

Leider sind alle Bilder des Buches schwarzweiß-dafür ist der Preis recht attraktiv.

Bey

Dr. Andreas von Heßberg
Kamtschatka entdecken

Trescher Verlag Berlin 2006, 350 Seiten, 17,95 Euro, ISBN 3-89794-084-1