Kollaps
Warum Gesellschaften überleben oder untergehen
"Was um Himmels Willen haben sich Bewohner der Osterinseln dabei gedacht, als sie vor vielleicht 450 Jahren den letzten Baum auf der Insel fällten und damit sich selbst jegliche Grundlage für den zukünftigen Bootsbau entzogen?" Das fragen wir uns heute in der Rückschau verwundert und erleben gleichzeitig, wie vor unseren Augen durch Vernichtung von Lebensräumen Tier- und Pflanzenarten ausgerottet werden und unwiederbringliches Genmaterial verloren geht.
Jared Diamond führt uns mit seinem Werk zurück in die Vergangenheit der Osterinsel-Bewohner, Mayas und Wikinger. Dabei schildert er uns ausführlich, warum diese Völker im Laufe der Jahrhunderte zugrunde gegangen sind. Die im Buch dargestellten Ergebnisse archäologischer Forschung zeigen die vielfältigen Ursachen des Niedergangs: Raubbau an Ressourcen wie Wald und Boden, aber auch starres Festhalten an überkommenen Traditionen waren die Ursache.
Gleichzeitig wird aber auch Ermutigendes berichtet, zum Beispiel die Geschichte der Tokapia: Diese Menschen schafften es, ohne Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen rund 3.000 Jahre auf einer nur 4,7 Quadratkilometer großen Insel zu überleben.
Der Autor blickt aber auch auf den Raubbau, den wir heute in einer globalisierten Welt treiben und sucht aus den Erfahrungen der Vergangenheit Lösungen für die heutigen Umweltprobleme. Als Positivbeispiele werden die Aktivitäten des Erdölunternehmens Chevron in Papua Neuguinea oder eine umweltgerechte Waldwirtschaft nach dem FSC-Standard dargestellt.
Wer meint, dass wir Naturschutz nur aus ideellen Gründen und allein der Natur wegen betreiben sollten, wird nach der Lektüre des Buches eines Besseren belehrt sein. Wir werden die Lebensräume des Großen Panda retten müssen, um selbst überleben zu können.
BB
Jared Diamond: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen.
Ca. 800 Seiten
S. Fischer 2005
ISBN 3-10-013904-6, 22,90


