Die Rettung der Erde – jetzt erst recht

Plan B 2.0 von Lester Brown

Dieses Buch legt man nicht so schnell beiseite. Brown präsentiert seinen Weltuntergangs-Cocktail eindringlich, fesselnd, pointiert, plausibel und auf das notwendigste gestrafft. Konsequent bündelt er dramatische Fakten, verknüpft verblüffend rasch und kurzweilig Wirkungen und Ursachen auf knapp 170 Seiten, um dann auf den folgenden 200 Seiten seine Vision, sein Credo zur „Rettung der Zivilisation“ zu entwerfen. Obenan: Die Bekämpfung der Armut, die Stabilisierung der Bevölkerungszahl und deren ausreichende Ernährung.

Als langjähriger Präsident des renommierten Worldwatch Institute in Washington trat Brown nicht nur schon früh als Mahner des immer gewaltigeren Ressourcenverbrauchs auf. Er war einer der ersten, der eine Vision einer ökologisch verträglichen Wirtschaft entwickelte. „Plan B“ nannte er sein Werk, mit dem er 2003 unserem Business-as-usual-Verhalten – Plan A – eine konkrete Utopie des nachhaltigen Wirtschaftens entgegenstellte.

Jetzt will er noch deutlicher den Weg aufzeigen, wie wir von der jetzigen Raubbau-Mentalität wegkommen, hin zu einer „neuen“ Ökonomie – in einem Plan B. 2.0. Besonders dringlich wird dieser Wirtschaftswandel schon allein deshalb, weil etwa Chinas Bevölkerung wächst und bitte nicht unseren bisherigen Lebensstil kopieren soll. Denn wenn China das Pro-Kopf-Einkommen der USA erreicht haben wird – damit wird bereits in 24 Jahren zu rechnen sein –  würden dessen Einwohner täglich 99 Millionen Barrel Erdöl verbrauchen. Das sind deutlich mehr als die derzeitige tägliche Weltproduktion von 88 Millionen. Und das gleiche gilt für Indien.

Spätestens jetzt versteht der geneigte Leser: Das bestehende Wegwerf-Wirtschaftsmodell wird selbst für Industrieländer bald nicht mehr funktionieren. Und: Hier ist nicht von fiktiven Fakten und Zeiten die Rede, den Anfang des Untergangs unserer Zivilisation werden wir selbst noch erleben!

Brown sieht dafür bereits erste Anzeichen: Im südlichen Afrika ist – erstmals in der modernen Menschheitsgeschichte – die Lebenserwartung durch HIV und Aids von 61 auf 48 Jahre zurückgegangen. Die Zahl hungernder Menschen nimmt seit 1998 wieder zu. Fatal: Ob Soja, Mais, Zuckerrohr oder Erdöl – die reichen Autobesitzer dieser Welt werden bald mit den Armen der Erde um dieselben Rohstoffe konkurrieren. Und immer mehr Staaten – inzwischen sind es bereits 60 – gelten als gescheitert oder sind vom Scheitern bedroht und versinken im Elend und Bürgerkrieg. Das, so Brown, sei „die vielleicht beunruhigendste Entwicklung“. Wenn immer mehr Länder nicht mehr für sich selbst sorgen können, wie lange kann dann unsere globale Zivilisation durchhalten?

Die gute Nachricht: Wir können den Kollaps abwenden. Brown fasst konkrete Zahlen von Weltbank und anderen seriösen Quellen zusammen, die besagen: eine grundlegende Schulbildung in den 80 ärmsten Ländern kostet 12 Milliarden Dollar jährlich. Bereitstellung grundlegender Gesundheitsvorsorge = 33 Milliarden. Sanierung der Erde inklusive Wiederherstellung der Meeresfischbestände, den Schutz der Artenvielfalt und des Oberbodens = 93 Milliarden. Gesamtkosten pro Jahr für seinen Plan B-Haushalt: 161 Milliarden. Das entspräche etwa einem Drittel des derzeitigen Militärhaushaltes der USA.

Außerdem muss der Verbrauch von Ressourcen deutlich höher, zugleich das Einkommen erheblich niedriger besteuert werden. Zudem ruft Brown jeden einzelnen Leser auf, sich aktiv bei seinen Volksvertretern sowie durch Mitgliedschaft in einer Umweltorganisation für eine Wende zur nachhaltigen Wirtschaft einzusetzen. Und last not least appelliert Brown an seine Leser: Entwerfen Sie ihren eigenen Plan, unsere Zivilisation zu erhalten. Tipps dazu finden Sie übrigens auf diesen WWF-Seiten.

Bey

Lester Brown: Plan B 2.0; Kai Homilius Verlag 2007; 384 Seiten, ISBN 978-3-89706-606-9; 19,90€