Zig gute Ideen für den Alltag

„Wir Klimaretter – So ist die Wende noch zu schaffen“ von Toralf Staud und Nick Reimer

Wer kennt sie nicht, diese achselzuckende Ratlosigkeit, die viele angesichts des Klimawandels oft befällt. Das Problem scheint einfach zu groß, zu global, zu unfassbar, um aktiv zu werden. Da kommt das Taschenbuch .„Wir Klimaretter“ von Toralf Staud und Nick Reimer gerade recht – ein wahres Motivationsbuch für Klimaschützer. Es ist prall gefüllt mit Ideen, Tipps, Projekten und Vorschlägen, wie wir alle – das heißt Verbraucher, Wähler, Unternehmer und Politiker – das Schlimmste noch verhindern können. Doch die Autoren raten zur Eile: Uns bleibt keine Zeit. Wer das Klima retten will, muss heute anfangen.

Mit langen Erläuterungen des Phänomens Klimawandel halten sich Staud und Reimer daher auch gar nicht auf. Gleich zu Beginn stellen sie klar: „Wenn Sie immer noch glauben, es gäbe keinen Klimawandel, dann lesen Sie dieses Buch nicht.“ So widmen sie sich lieber der Frage, warum wir uns mit dem Klimaschutz so schwer tun. Ihre Antworten sind grundsätzlicher Natur: Weil die Ausbeutung unserer Umwelt nicht in ökonomische Berechnungen einfließe, glaubten wir fälschlicherweise weiterhin, sie koste uns nichts. Weil CO2 nicht stinkt, weil wir blind sind angesichts schleichender Gefahren und weil wir „höher, schneller, weiter“ weiterhin mit „schöner, besser, glücklicher“ verwechselten, fiele es uns so schwer, unseren Lebensstil zu ändern.

Doch die größte Stärke des Buches liegt nicht in dieser Eingangsanalyse, sondern in den folgenden zehn Kapiteln. Im flüssigen Reportagestil, gespickt mit lebendigen Anekdoten und verblüffenden Zahlen, legen Staud und Reimer dar, wie Klimaschutz hier und heute in die Tat umgesetzt werden könnte. Die Palette reicht vom Verbot neuer Kohlekraftwerke über die Forderung, den Passiv-Haus-Standard für Neubauten vorzuschreiben bis zu einer Klima-Abgabe auf Rinder und Schweine.

Klar, der erfahrene Klimaprofi entdeckt wenig Neues. Den Emissionshandel für jedermann propagiert längst der britische Außenminister David Milliband und die Idee riesiger solarthermischer Anlagen in Nordafrika, über die auch Europa mit Strom versorgt werden könnte, ist Solarexperten längst bekannt.  

Doch genau darin liegt die Überzeugungskraft des Buches. Staud und Reimer zeigen, dass effektivsten Klimaschutzvorschläge entweder irgendwo auf der Welt längst Realität sind, dass namhafte Politiker diese Ideen vertreten oder dass es handfeste Studien gibt, die ihre Machbarkeit und Wirksamkeit belegen. Nur ab und zu driften die Autoren ab ins Visionäre, zum Beispiel, wenn sie einen „UN-Klima-Sicherheitsrat“ fordern, der Deutschland ein Handelsembargo auferlegen könnte, wenn es seine Reduktionsziele verfehlt.  

Doch zu guter Letzt scheuen die Autoren nicht die wissenschaftliche Überprüfung ihrer Ratschläge, die nach jedem Kapitel in drei konkrete Gesetzesvorschläge oder Verbrauchertipps münden. Von den Experten des Ecofys-Instituts ließen sie berechnen, um wie viel geringer der deutsche Ausstoß an Treibhausgasen wäre, wenn alle ihre Vorschläge umgesetzt würden: Im Jahr 2020 wären es 50 Prozent.

Spätestens an dieser Stelle schüttelt man als Leser ungläubig den Kopf: Warum werden all diese Maßnahmen nicht längst im großen Stile angegangen? Viel zu oft lautet die bestürzende Antwort der Autoren: „Es fehlt der politische Wille.“ Doch Staud und Reimer lassen sich von Bedenkenträgern nicht aufhalten und motivieren lieber ihre Leser, die Rettung des Klimas in die eigene Hand zu nehmen. Dazu formulieren sie mitunter unkonventionelle Verbrauchertipps. So empfehlen sie Mietern, sich zusammenzuschließen und dem Vermieter eine neue Heizungspumpe zu spendieren. Durch die Energieersparnis würden diese sich damit letztlich selbst beschenken. Eine von zig guten Ideen, die „Wir Klimaretter“ zu bieten hat. Eines von zig guten Argumenten, noch heute mit dem Klimaschutz zu beginnen.

TC

Toralf Staud und Nick Reimer: Wir Klimaretter – So ist die Wende noch zu schaffen; Kiepenheuer & Witsch, Mai 2007. 320 Seiten, ISBN: 346203908-5, 8,95 €

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