We feed the World

Die globale Welt der Nahrungsmittelindustrie

Brot für die Welt? Offenbar nicht. © Allegrofilm-Produktions GmbH

Brot für die Abfallhalde
Der Film beginnt mit dem täglichen Wahnsinn unserer heutigen Kosum- und Abfallgesellschaft. Jeden Tag wird in Wien genau so viel Brot vernichtet, wie die zweitgrößte Stadt Österreichs (Graz) verbraucht. Anders ausgedrückt, wird täglich Brot für etwa 250.000 Menschen "entsorgt". Obwohl nur einen Tag alt, entspricht das Brot nicht mehr den Wünschen der Kunden – und wird Abfall. Gleichzeitig leiden laut den Vereinten Nationen 852 Millionen Menschen an Hunger. Vor diesem Hintergrund sind die Worte von UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler zu sehen: "Die Weltwirtschaft könnte ohne Problem zwölf Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."

Immerfrisches Gemüse

Frisches und knackiges Gemüse möchte der Kunde, zu jeder Jahreszeit. "Jeder Europäer isst pro Jahr zehn Kilogramm künstlich bewässertes Treibhausgemüse aus Südspanien", so Wagenhofer. Der Film zeigt mit eindrucksvollen Luftbildern die gigantischen, künstlich bewässerten Treibhausanlagen in Südspanien – ganze Landstriche sind unter Glas und Planen verschwunden. In der Produktionsregion werden deswegen die Wasserreserven immer knapper. Die Nordeuropäer graben ihren Nachbarn buchstäblich das Wasser ab.

Europäische Nutztiere fressen den brasilianischen Regenwald auf

Immer noch wird in großem Ausmaß brasilianischer Regenwald gerodet, um auf den gewonnenen Flächen Soja anzubauen. Sinn und Zweck des Sojaanbaus: die europäische Tiermast. Allein für die österreichische Viehwirtschaft werden auf rund 350.000 Hektar ursprünglichen Regenwaldgebietes Sojabohnen angebaut. Direkt daneben leidet ein Viertel der einheimischen Bevölkerung massiv an Hunger. Zudem ist das Amazonasgebiet für den Sojabohnenanbau denkbar ungeeignet. Der Anbau glückt allein durch den starken Einsatz von Dünger und Chemikalien.

Appell an den Verbraucher

Der Film ist auch als Appell an die Verbraucher zu verstehen. Jeder kann aktiv werden und mit seinem Kaufverhalten einen Beitrag zu einer nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln leisten. "Der Einkäufer und der Konsument haben keine Ahnung mehr, wie was funktioniert und wie was gemacht wird. Weltfremder werden die Leute und brutaler und härter. An sich interessiert den Handel nur der Preis", sagt im Film der steirische Geflügelzüchter Hannes Schulz.

In Österreich schenkt man ihm Gehör. "We feed the World" ist dort inzwischen der meist gesehene Dokumentarfilm aller Zeiten.