Das alltägliche Grauen ausmalen
Engagiert sich seit Jahrzehnten für den WWF: Deutschlands Karikaturist Nr. 1 – Horst Haitzinger
Sein Pinselstrich ist von ätzender Schärfe. Die Augen pupillenlos oder zu einem kleinen Sehschlitz verkommen, stolpern seine "Opfer" durch eine übersteigerte Wirklichkeit – ahnungslos, borniert, schlitzohrig und heimtückisch.
Um so mehr sieht der Leser. Ihm tun sich wahre Abgründe des Schreckens auf. Ein Alltag des Horrors, in dem unbekannte Typen und bekannte Gestalten ihr Unwesen treiben – und sei es durch schieren Stumpfsinn.
Die Themen kennen wir: Sie plätschern uns tagtäglich aus dem Fernseher entgegen und fluten unsere Augen und Ohren, ohne dass wir richtig begreifen, um was es eigentlich geht.
Horst Haitzinger bringt die Dinge auf den Punkt – schmerzhaft für die, die gerne vertuschen, zerreden, belabern. Herzhaft befreiend für die anderen, die Unausgesprochenes "ausgemalt" finden.
Die Mächtigen werden zu Schmächtigen
Die Mächtigen, respektlos von ihrem Sockel gestoßen, werden so zu Schmächtigen, denen Haitzinger den dicken Mantel des Scheins aus Glanz, Geld und Geschwätz heruntergezeichnet hat. Und wenn er auch den braven Bürger oft als dusseliges Opfer der Politiker darstellt: Seine Sympathien sind immer auf der Seite der Schwächeren.
Zu den Opfern gehört zumeist auch die Natur, sind Umweltschützer schließlich oft die Unterlegenen in der politischen Auseinandersetzung. Darum engagiert sich Horst Haitzinger für die Umweltstiftung WWF.
Geboren wurde der Karikaturist 1939 in Eferding/Oberösterreich. Er studierte Gebrauchsgraphik in Linz, anschließend Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seine ersten politischen Karikaturen erschienen bereits 1958 im "Simplicissimus".
Haitzinger arbeitet nicht nur als Karikaturist für viele bekannte Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch als Maler. Seine Ölbilder verraten ihn als Anhänger des phantastischen Realismus.
Dass auch die Wirklichkeit phantastisch ist, genauer: das alltägliche Grauen, das wir Menschen durch unbedachtes Tun auf diesem Planeten hervorrufen, zeigen besonders die Werke, die Haitzinger für den WWF gezeichnet hat. Hierin ist der Mensch meist Täter und Opfer in einer Person – und stellt so für uns alle einen treffenden Spiegel auf.


