Blackmore’s Night: „Jede Reise beginnt mit einem kleinen Schritt“
Gitarrenlegende Ritchie Blackmore und Feenstimme Candice Night sind wieder auf Tour: Mit ihrer Band Blackmore’s Night begeistern sie diesen Sommer und Herbst die deutschen Fans und unterstützen mit jeder Eintrittskarte den WWF mit einem Euro

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WWF: Sie blicken bereits auf eine erstaunliche Karriere zurück. Das bedeutet: Mit der Band um die Welt touren, in Hotels leben, in Studios arbeiten. Auf der anderen Seite betonen Sie, wie wichtig es für sie ist, gesund zu leben. Wie passt beides zusammen? Was ist Ihr „Geheimnis“?
Ritchie Blackmore: Wenn wir touren, dann ist es für uns sehr wichtig, dass wir freie Tage einplanen und uns ausruhen. Wir machen auch niemals die für manche Bands typischen „Autopilot“-Auftritte und spielen immer dieselben alten Lieder in genau einer Stunde und 30 Minuten herunter. Wenn wir uns frisch und gut fühlen, spielen wir manchmal bis zu vier Stunden.
Candice Night: Für uns Beide geht alles Hand in Hand. Wir umgeben uns mit Dingen, mit denen wir uns wohl fühlen, die uns inspirieren. Wir sind kein Paar, dass fasziniert ist von Ausschweifungen. Wir genießen die einfachen Dinge im Leben: Frische Luft, Felder, Blumen, Zeit mit Tieren und in der Natur zu verbringen. All das erneuert uns immer wieder – und das wiederum erlaubt uns, kreativ zu sein. So können wir neue Lieder und Texte schreiben. Gesundes Leben, Inspirationen aus der Welt der Natur und das, was wir erschaffen, ist ein niemals endender Kreislauf.
WWF: Mit Blackmore’s Night machen Sie die Zeit der Renaissance wieder lebendig. Sie spielen beide mehrere alte Instrumente. Ist das auch eine Art „zurück zur Natur“?
Blackmore: Ja. Die alten Instrumente, die wir spielen und die uns interessieren, schwingen sozusagen mit der Natur. Die Nyckel Harpa oder Schlüsselfiedel, die Drehleier, Dudelsäcke und Schalmeien zum Beispiel sind der Sound der Renaissance. Sie sind aus Holz und zugleich so organisch in ihrem Klang, dass sie darin ganz viel unserer natürlichen Umgebung wiedergeben.
Night: Für mich ist bestimmte Musik der Renaissance so etwas wie der Soundtrack der Natur. Wenn Du durch einen Wald läufst und sie dabei hörst, passt das sehr gut zusammen. Deshalb ist die Musik, die wir hören und die wir machen, eine Art Rückkehr in diese natürliche Welt. Zeitgenössische Musik hingegen passt viel besser in ein städtisches Umfeld.
WWF: Wie genießen Sie die Natur am liebsten – zum Beispiel wandern oder einfach sitzen und meditieren?
Blackmore: Ich sehe zu, dass ich täglich durch den Wald laufe. Ich finde es unglaublich reinigend, in der Mitte eines Waldes zu sein oder über eine Wiese zu laufen. Bei Touren achten wir darauf, dass wir möglichst nicht in der Mitte von Städten auftreten, sondern in der Nähe von Parks oder Feldern, so dass wir die Gelegenheit haben, lange Spaziergänge zu unternehmen und die Umgebung zu genießen.
Night: Ich denke, die Natur zeigt uns jeden Tag Wunder. Aber so viele Menschen sind viel zu beschäftigt, sie zu bemerken und zu würdigen. Fühl den Wind in deinem Haar, fühle über eine hunderte Jahre alte Baumrinde oder lausche dem Rauschen des Meeres. Da ist ein Gefühl von Freiheit, von Offenheit. Zugleich liegt darin auch ein Geheimnis, das nur die Natur offenbart. Jeder Schritt voran bringt einen neuen Blick auf die Natur – ob es ein Sonnenuntergang ist oder ein Feld mit Glühwürmchen in der Nacht. Die Schönheit der Natur umgibt uns das ganze Jahr über – wenn du dich entscheidest, hinzusehen.
WWF: Sie unterstützen den WWF nun schon viele Jahre. Gab es einen Auslöser dafür?
Night: Wir haben mit einer ganzen Reihe verschiedener Tierschutzorganisationen weltweit zusammengearbeitet. Wir arbeiten nicht nur mit lokalen Vereinen vor Ort, sondern auch mit größeren Organisationen zusammen, die Aufmerksamkeit und Kraft haben, auf größerer Ebene zu helfen und auch weit entfernt, wo bedrohte Arten und Umwelt Hilfe am dringendsten benötigen. Was wir unter anderem am WWF so sehr schätzen, ist die Achtung von Erde und Umwelt genauso wie der Tiere. Beides zu verbessern liegt uns sehr am Herzen und wir werden das tun, was wir können, damit Tiere und Lebensräume in Not mehr Aufmerksamkeit und Hilfe erfahren.
WWF: Dieses Jahr unterstützen Sie wieder die Tigerkampagne des WWF. Aus einem besonderen Grund?
Night: Menschen bedrohen diese außergewöhnlichen Geschöpfe und ihre Lebensräume, oft auf barbarische Art und Weise. Wollen wir diesen Wahnsinn stoppen, müssen wir die Menschen aufhalten, die ihn verrichten. Wir müssen die Waldvernichtung stoppen und Schutzgebiete wie Nationalparks für die Tiere einrichten, in dem sie sicher sind.
Wir sind hier, um Bewusstsein zu schaffen, um Geld zu sammeln und denen eine Stimme zu geben, die nicht für sich selbst sprechen können.
WWF: Wenn Sie ein großer Entscheidungsträger wären – was würden Sie als Erstes tun, um den Planeten zu retten?
Blackmore: Ich würde gerne etwas erfinden, dass die Menschheit davor bewahrt, Hiphop-Musik hören zu müssen.
Night: Ich würde gerne etwas erfinden, dass Menschen sich künftig für ihr Handeln verantwortlicher fühlen. Vielleicht könnten wir dann endlich einige der Zerstörungen, die begangen wurden, wiedergutmachen und Arten in ihrem Bestand sichern. Dies in Wirklichkeit zu erreichen ist ein gewaltiges Vorhaben. Doch jede Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. Wenn wir alle diesen kleinen Schritt gehen, dann gelingt uns sicher auch ein Fortschritt. Und das hoffe ich sehr …

