WWF Deutschland
Sandra Maischberger erweist sich im WWF-Interview als kenntnisreiche Naturliebhaberin, die immer wieder die Begegnung mit der Natur sucht. Dort lässt sie sich inspirieren und tankt Kraft für ihren anstrengenden Arbeitsalltag als Journalistin. Frau Maischberger lebt in Berlin und Hamburg und ging fünf Jahre in Italien zur Schule. Wir sprachen mit ihr unmittelbar nach der Rückkehr von einer längeren Reise.
Klaus-Henning Groth: Frau Maischberger, warum engagieren Sie sich für den WWF?
Sandra Maischberger: Natur fasziniert mich! Egal ob unter Wasser, in den Bergen oder auf dem Eis. Die Natur ist so unglaublich reich und vielfältig – da ist es schon deprimierend zu erleben, wie der Mensch dabei ist, diesen ganzen Reichtum zu zerstören. Ich möchte dazu beitragen, dass die Umweltzerstörung aufgehalten wird – genau wie der WWF.
Groth: Wofür steht der Tiger für Sie?
Maischberger: Im Tiger zeigen sich Kraft, Größe und Schnelligkeit. Es ist unglaublich, welche Größe so ein Tiger erreicht, und wie elegant, kraftvoll er zugleich ist. Ich bin in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass der Tiger bedroht ist: eine aussterbende Schönheit. Seine Eleganz und Schönheit sind fesselnd, seine Pranken symbolisieren zugleich aber auch Gewalt. Diese natürliche Überlegenheit des Tigers steht in merkwürdigem Kontrast zu seiner Bedrohung, die für mich stellvertretend auch für seinen Lebensraum und den Regenwald gilt.
Groth: Welche Gefühle löst der Tiger bei Ihnen aus?
Maischberger: Staunen und Respekt vor dieser faszinierenden Kreatur.
Groth: Was verbinden Sie mit dem Begriff Natur?
Maischberger: Natur ist mein Lebensraum, meine Sehnsucht, meine Zuflucht. Die schlichte Schönheit natürlicher Schöpfung in ihrer scheinbar unendlichen Fantasie kann mich zu Tränen rühren. Dabei offenbart sich Schönheit oft erst, wenn man genauer hinsieht: Insekten sind ein gutes Beispiel. Zum Teil sehen sie aus, als seien sie nicht von dieser Welt – aber um das zu entdecken, muss man sie genauer betrachten und entdeckt dann ihre Einmaligkeit und Komplexität. Auch die Unterwasserwelt ist für mich faszinierend. Aus eigenen Tauchgängen weiß ich, dass Octopusse zum Beispiel in Sekundenbruchteilen ihre Farbe verändern und sich anpassen können. Der Mensch kann das bei aller Technik bis heute nicht nachmachen.
Groth: Wie erleben Sie Natur heute?
Maischberger: Ich reise leidenschaftlich gern, um die Welt kennen zu lernen. Doch was ich auf diesen Reisen erlebe, macht mich häufiger betroffen und traurig, als mir lieb ist. Ich ärgere mich richtig, wenn ich feststellen muss, was man alles in der Natur nicht mehr sehen und erleben kann, weil es schon verschwunden ist. Ein Beispiel ist die wunderbare Welt der Korallen in ihren unglaublichen Formen und Farben. Sie ist an vielen Orten schon zerstört. Die Veränderung der Meeresströmungen und andere Wassertemperaturen sorgen für eine Korallenbleiche und Absterben dieser Organismen. Überall versucht der Mensch, die Natur zu zähmen. Auf Hawaii habe ich gerade erlebt, dass selbst die Tropen, in denen die Natur vor Kraft zu strotzen scheint, der Zerstörung durch den Menschen kaum etwas entgegen setzen können.
Wir müssen Acht geben auf die Umwelt, dieses Thema ist mir viel zu sehr ins Abseits geraten!
Groth: Gibt es ein prägendes Naturerlebnis für Sie?
Maischberger: Ich erinnere mich an ein Abenteuer in Neuseeland. Dort sind wir mit einer kleinen Gruppe in einem unterirdischen Fluss geschwommen – in absoluter Finsternis, nur mit einer kleinen Stirnlampe ausgerüstet. Wir begannen in einer Art unterirdischer Kathedrale und sprangen in die Tiefe, ins Dunkle und Ungewisse, in das Wasser unter uns. Anschließend musste ich die Umgebung um mich herum ertasten, mich durch enge Stellen zwängen, wo die Höhlendecke nur wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel begann. Dabei verspürte ich keine Angst – im Gegenteil: ich fühlte mich übermütig wie ein Kind. Als wir uns nach fünf Stunden hinter einem Vorhang aus dichten Farnen wieder ans Tageslicht kamen, fanden wir uns auf einer Wiese wieder. Beide Welten existieren unmittelbar nebeneinander und doch nehmen wir jeweils nur das wahr, was um uns herum und vor uns liegt.
Groth: Haben Sie einen Lieblingsort in der Natur?
Maischberger: Eindeutig die Dolomiten! Ich erlebe sie zu jeder Zeit unterschiedlich und mit ihrem ganz eigenen Charakter: je nach Stimmung des Lichts und der Tages- oder Jahreszeit sind sie durchaus mal knallbunt oder können eine eigene Art "Gemütlichkeit" ausstrahlen. Ich bin regelrecht bergbegeistert und habe früher dort auch geklettert.
Groth: Hatten Sie als Kind Gelegenheit, Natur zu erleben?
Maischberger: Ja, meine Eltern haben sehr häufig gezeltet und mich in die Berge mitgenommen. So war ich war immer viel und gern in der Natur unterwegs: im Winter auf Skibrettern, im Sommer zu Fuß in den Bergen. Und oft genügte einfach nur das Draußensein, um mich zu begeistern. In meiner Kindheit hatten wir in Frascati einen eigenen Garten. Dort blühte der Oleander, und wild lebende Schildkröten krochen unter den Büschen herum.
Groth: Welchen Tipp würden Sie Eltern geben, damit ihre Kinder Natur erleben?
Maischberger: Ganz einfach: raus mit ihnen an die frische Luft. Kinder sollten die Natur unmittelbar erleben können und zum Beispiel im Urlaub lieber zelten und Aktivitäten draußen erleben – statt in Freizeitclubs oder Ferienanlagen zu gehen.
Groth: Wen sehen Sie in der Verantwortung, die Natur zu schützen?
Maischberger: Natürlich sehe ich die großen Umweltsünden, -sünder und Versäumnisse auch und verstehe zum Beispiel nicht, warum an Orten wie Hawaii nicht viel mehr mit Sonnenenergie gearbeitet wird. Die ist dort im Überfluss vorhanden, wird aber kaum genutzt. Dennoch halte ich es für falsch, hoffnungslos zu sagen: "Ich kann ja doch nichts tun" und auf die Industrie oder Politiker zu zeigen – jeder Mensch muss seinen Teil beitragen. Natur und Umwelt kommen am besten zu ihrem Recht, wenn alle sich verantwortlich fühlen.
Groth: Die Gletscher schmelzen, die Artenvielfalt nimmt ab: Glauben Sie, dass die Natur noch eine Chance hat?
Maischberger: Ich fürchte, da neige ich zum Fatalismus. Wenn ich mir vor Augen halte, in welchem Tempo die Zerstörungen und Plünderungen unserer natürlichen Schätze voranschreiten, sinkt meine Zuversicht. Auf der anderen Seite ist mir klar: Gerade deshalb brauchen wir Mut und Ausdauer, um etwas dagegen zu tun. Wir müssen aufhören, diese Schätze weiter so zu plündern wie bisher, und Natur wieder mehr schätzen.
Groth: Welches Umweltproblem halten Sie global für das Wichtigste?
Maischberger: Für mich steht der Klimawandel als übergreifendes Problem an erster Stelle – noch vor den anderen gravierenden Problemen wie Versorgung mit Trinkwasser oder Artensterben oder allgemeiner Verschmutzung der Umwelt. Die Auswirkungen des Klimawandels spüren und bezahlen wir inzwischen auch hier, das ist kein fernes Problem mehr. Persönlich sehe ich in diesem Bereich zwei Szenarien: Entweder der Mensch schafft es, vor allem in Schlüsselländern wie zum Beispiel China, auf regenerative Energien zu setzen – oder wir rauben uns selber langfristig die Grundlagen für das Überleben, wenn wir weiter unverantwortlich mit unseren Ressourcen umgehen.
Groth: Die natürliche Umwelt setzt sich aus den Elementen zusammen. Welche Rolle spielen die Elemente für Sie?
Maischberger: Sehr verschiedene! Mit "Luft" kann ich am wenigsten anfangen, "Feuer" fasziniert mich, im "Wasser" fühle ich mich wohl – und "Erde" ist ein Teil von mir!
Groth: Haben Sie eine persönliche Botschaft an unsere Leser?
Maischberger: Nicht nur eine. Die wichtigste vielleicht zuerst: "Retten Sie mit!", denn wir dürfen nicht aufgeben. Den Zweiflern möchte ich zurufen "Nicht verzagen!" und zur Naturerfahrung möchte ich den Menschen raten: "Geht zu Fuß!" – unbedingt auch mal ohne Schuhe (lacht).
Titel: Sandra Maischberger
Link: http://www.wwf.de/interaktiv/stars-fuer-den-wwf/sandra-maischberger/