Fotofallen: Tierische Schnappschüsse

Bitte recht freundlich: Doch die Abgelichteten schauen eher verblüfft oder erschrocken in die Kamera, die so unerwartet mitten im Dschungel oder Trockenwald klickt, surrt oder blitzt. Naturschützer indes freuen sich über fast jedes Motiv, das ihnen die versteckte Kamera schießt. Denn oft gelingen gerade so Schnappschüsse seltener oder noch niemals zuvor entdeckter Tierarten.

Solche Fotofallen helfen, wertvolle Informationen über seltene Tiere zu erhalten, die man sonst niemals oder kaum zu Gesicht bekommen würde. Kein Mensch muss stundenlang still im Gebüsch verharren – und wird dann vielleicht trotzdem vom Wild gewittert.

Falle mit Fühler

Und so funktioniert die Fotofalle: In einem wasserdichten Metallgehäuse steckt eine Kamera. Die meisten Kameras sind noch nicht digital, sondern mit 35-Millimeter-Filmen ausgestattet, mit denen 36 Bilder geschossen werden können.

Der Fotoapparat ist über Kabel und Stecker mit einem elektronischen Sensor, einem „Fühler“ verbunden. Der kann Wärme fühlen. Er löst die Kamera aus, wenn sich ein Säugetier bis auf etwa 25 Meter nähert. Betrieben wird die Fotofalle mit normalen aufladbaren Akkus oder Batterien, die zwei bis vier Wochen halten. Sie arbeitet absolut geräuschlos, selbst beim Blitzen.

Damit man tatsächlich auf diese Weise seltene Tiere fotografieren kann, muss man die Fotofalle dort installieren, wo man ziemlich sicher sein kann, dass auch seltene Tiere wie zum Beispiel Amur-Leoparden vorbeikommen –  einem Wildpfad oder einem Bach. Dort wird die Kamera in einer wasserdichten Box an einem Baum in etwa einem halben Meter Höhe befestigt.

Nach einer Weile müssen sie woanders postiert werden. Denn der Blitz bei Aufnahmen in der Dunkelheit kann Tiere so alarmieren, dass sie den Bereich künftig meiden.

Schnappschüsse helfen Artenschützern

Schon seit einigen Jahren setzt der WWF weltweit Fotofallen zum Zählen und Überwachen bedrohter oder zum Aufspüren seltener Tierarten in unzugänglichen Gebieten ein.

Ein erster großer Erfolg waren WWF-Fotofallen-Schnappschüsse von den sehr seltenen und extrem scheuen Java-Nashörnern, von denen es im Ujung Kulon-Nationalpark auf Java nur noch etwa 50 Tiere gibt.

Auf Sumatra hat der WWF in Zusammenarbeit mit der Forstbehörde vor Ort mehrere Fotofallen in den Regenwäldern der Provinz Riau installiert, um herauszufinden, wie groß der Bestand der bedrohten Sumatratiger in den unterschiedlichen Gebieten ist, wie groß ihre Territorien sind und welche Art von Beutetieren dort leben.

Es wurden bereits mehrmals gute Aufnahmen von Sumatratigern gemacht. Sie belegen, dass die Großkatzen auch außerhalb der Schutzgebiete vorkommen. Die Aufnahmen könnten daher für den WWF zu einem Trumpf in den Verhandlungen mit der indonesischen Regierung und Holz verarbeitenden Unternehmen werden, dort so genannte Regenwald-Korridore zu erhalten und vor der Rodung zu bewahren.

Auch andere seltene Tiere konnten auf Sumatra abgelichtet werden – wie beispielsweise Nebelparder, Tapire, Affen, Malaienbären, Wildschweine und Muntjaks.

Unbekanntes vor der Linse

Sehr überrascht waren WWF-Forscher, als sie im Dezember 2005 ein bis dahin möglicherweise noch völlig unbekanntes Raubtier auf Bildern aus dem nur schwer zugänglichen Inneren der südostasiatischen Insel Borneo entdeckten. Das Tier ist etwas größer als eine Hauskatze und sieht aus wie eine Kreuzung aus Katze und Fuchs mit dunkelrotem Fell und einem langen buschigen Schwanz. Bisher liegen zwei Fotofallenfotos des unbekannten Tieres vor – beides Nachtaufnahmen. Sollte sich die Entdeckung bestätigen, wäre es das erste Mal seit über 70 Jahren, dass in Südostasien ein neues Raubtier entdeckt wurde.

Durch die Auswertung der Fotofallenbilder kann man auch die Tiere einer seltenen Art zählen – wie zum Beispiel des Amur-Leoparden, von dem es in Russland nur noch rund 35 Tiere gibt. Denn wenn man genug Fotos ausgewertet hat, kennt man alle Individuen und kann sie unterscheiden – anhand ihrer Gesichter und Fellmuster.

So fanden WWF-Wissenschaftler durch Auswertung von Fallenbildern aus den letzten vier Jahren heraus: Von gut zwanzig regelmäßig fotografierten Leoparden sind zwölf einfach spurlos verschwunden. An ihrer Stelle sind neue Leos aufgetaucht. Allerdings wurden nur noch zwei Weibchen fotografiert. Dir Ursachen dafür müssen die Experten nun klären.

Der Einsatz von Kamerafallen ist für den WWF auch deshalb erfolgreich, weil nur relativ wenige der Geräte ausfallen: Von insgesamt 80 Kameras, die der WWF bislang weltweit eingesetzt hat, wurden 14 von Menschen gestohlen und fünf von Tieren zerstört.

Weitere Informationen

zu den genannten Arten

Amur-Leopard

Java-Nashorn

Tiger

zu den genannten Regionen

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