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Kamera-Crash beim Shooting mit Nashorn

29. Mai 2008

Weniger als 60 Java-Nashörner streifen noch durch den indonesischen Dschungel – zwei davon tappten nun in die Kamerafalle des WWF

 

Ein äußerst seltener Schnappschuss ist den Artenschützern des WWF auf der indonesischen Insel Java gelungen: Zwei Java-Nashörner, eine Mutter mit ihrem Nachwuchs, tappten in die Kamerafalle der Artenschützer. Erst vor rund einem Monat war die speziell entwickelte Kamera im Ujung Kulon Nationalpark installiert worden, die Filmmaterial über die wild lebenden und zum Teil vom Aussterben bedrohten Tiere des Dschungels liefern soll. Das erfolgreiche Filmshooting verlief jedoch nicht ohne Zwischenfall: Nachdem die Nashorn-Mutter die Kamera zunächst in aller Ruhe inspiziert hatte, schnappte sie sich den Apparat und schleuderte ihn durch die Luft.

 

„Angesichts der Seltenheit dieser Tiere können wir den kleinen Betriebsunfall leicht verschmerzen. Die Bilder, die wir bekommen haben, waren den riskanten Einsatz absolut wert“, meint WWF-Artenschutzexpertin Vera Reifenstein. „Es ist sehr ungewöhnlich ein Java-Nashorn mitten im dichten Regenwald überhaupt zu entdecken. Umso stolzer sind wir darauf, dass wir die beiden Tiere vor die Linse bekommen haben.“ Die letzten schätzungsweise nur noch 60 Java-Nashörner streifen nahezu ausschließlich durch den Ujung Kulong Nationalpark, nur drei bis fünf Tiere leben noch in Vietnam.

 

Die Kamera hat den Nashornangriff ohne größeren Schaden überstanden und war bereits tags darauf wieder vollständig betriebsbereit. Die Infrarot-Videofallen reagieren auf Bewegung und sind nach Ansicht von Vera Reifenstein ein großer Fortschritt, um die vom Aussterben bedrohten Tiere gründlich beobachten zu können und so detaillierte Rückschlüsse auf ihr Verhalten und ihre Lebensweise zu ziehen. Bisher erfolgte die Beobachtung weitgehend ohne technische Hilfe auf meist wackeligen Bambusplattformen, auf denen Forscher in zehn Metern Höhe ganze Nächte zubringen.

 

„Da wir planen, einige Java-Nashörner probeweise in andere Gebiet umzusiedeln, um dort neue Populationen aufzubauen, sind wir dringend auf solide wissenschaftliche Fakten angewiesen“, erläutert Vera Reifenstein die Bedeutung der Kamerafallen. Die Spezialanfertigungen arbeiten sehr leise und ohne bewegliche Teile, sodass man mit ihrer Hilfe deutlich näher an die Lieblingsplätze der Java-Nashörner heranrücken kann. Die Tiere halten sich besonders gerne an Salzlecken und Schlammlöchern auf und benutzen auch Trampelpfade, die sich für eine Kamerainstallation anbieten.

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