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Kapitulation vor der Holzmafia

19. Oktober 2006

WWF: Urwaldschutzgesetz wurde vom Bundestag abgelehnt

 

Frankfurt, 19. Oktober 2006: Heute stimmte der Bundestag erneut über einen Gesetzesentwurf der bündnisgrünen Fraktion zum Schutz der Urwälder ab. Die Umweltstiftung WWF, die wie andere Organisationen schon lange ein deutsches Urwaldschutzgesetz fordert, kritisiert, dass die Fraktionen von SPD und CDU/CSU den Entwurf abschließend abgeschmettert haben. Das geplante Gesetz sollte den Handel mit Holz und Holzprodukten aus illegalen Quellen sowohl in den Herkunftsländern als auch in Deutschland unter Strafe stellen. Unternehmen sollten dadurch dazu verpflichtet werden, die legale Herkunft ihrer Waren eindeutig nachzuweisen. Nach Ansicht des WWF wäre dies ein wesentlicher Beitrag, um die letzten Urwälder zu retten. Denn eine der Hauptursachen für den rasanten weltweiten Schwund der Wälder ist der in weiten Teilen illegale Handel mit Holz, zum Beispiel aus Amazonien, Zentralafrika, Südostasien und Russland.  

 

Johannes Zahnen, Waldexperte des WWF: „Heute kapitulierte die Regierung vor den illegalen Machenschaften im weltweiten Holzhandel, mit denen immense Gewinne zulasten der letzten Urwälder gemacht werden.“ Der WWF beklagt, dass sich die Große Koalition bewusst gegen den Willen vieler Bürger stellte. Laut einer Forsa-Umfrage, die der WWF im Juni durchführen ließ, unterstützen 90 Prozent der Befragten die Einführung eines Urwaldschutzgesetzes. Sie verlangen von der Bundesregierung einen klaren Beitrag Deutschlands zur Rettung der letzten Urwälder und fordern, dass Firmen, die in Deutschland illegales Holz anbieten, bestraft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind sogar 91 Prozent bereit, höhere Preise für Holzprodukte aus nachhaltigen Quellen zu zahlen.  

 

„Die Große Koalition blockiert ein deutsches Urwaldschutzgesetz und versteckt sich schon seit langem hinter einer angeblich ausreichenden Verordnung aus Brüssel“, so Zahnen. Die entsprechende EU-Verordnung verbirgt sich hinter der Abkürzung FLEGT (deutsche Übersetzung: Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor) und lässt nach Ansicht der Regierung keine nationalen Alleingänge zu. Dies ist nach Auskunft von Johannes Zahnen und seinen Fachkollegen der anderen Umweltorganisationen schlichtweg falsch und ein vorgeschobenes Argument: „Ein deutsches Urwaldschutzgesetz ist möglich und würde viel schneller greifen. Und das ist auch dringend nötig: Denn allein in den kurzen 40 Sekunden, in denen heute das Urwaldschutzgesetz abgelehnt wurde, wurde rein statistisch weltweit eine Waldfläche von umgerechnet 23 Fußballfeldern zerstört.“  

 

Der WWF fordert nun, dass die Regierungsparteien so schnell wie möglich ihrem Koalitionsvertrag folgend einen eigenen Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Handels mit illegalem Holz vorlegen und verabschieden. Illegaler Holzhandel umfasst Ernte, Transport, Einkauf und den Verkauf von Holz. Nach Schätzungen des WWF gelangt jedes Jahr allein aus Indonesien Holz aus illegalen Quellen im Wert von 150 Millionen Euro nach Deutschland.

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