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Katastrophale Sauerstoffwerte in der Ems

29. September 2008

WWF-Messungen belegen ökologische Krise vor der Überfahrt der „Celebrity Solstice“

 

Leer - Der WWF hat während des Probestaus der Ems zwischen dem Speerwerk Gandersum und Papenburg extrem niedrige Sauerstoffwerte gemessen. Zudem sei der Boden des Flusses zeitweise mit einer bis zu zwei Meter dicken Schlickschicht bedeckt. „Der Fluss ist auf einer Strecke von über 30 Kilometer praktisch tot“, erklärte WWF-Expertin Beatrice Claus. Die katastrophalen Messergebnisse seien vor allem auf die Baggerungen im Fluss zurückzuführen. Damit hatten die Behörden in den letzten Wochen die Ems vertieft, um am Wochenende die Überführung des XXL-Kreuzfahrtschiffes „Celebrity Solstice“ von der Papenburger Meyer Werft an die Nordsee zu ermöglichen. Die Überführung des Schiffes hatte am Sonntagmittag begonnen.  

 

Wegen der andauernd schlechten Sauerstoffwerte gebe es vermutlich kaum noch Fische im Fluss. Darum sei aktuell auch kein Fischsterben zu beobachten. Am Gewässerboden hat der WWF am Freitag und Samstag Werte von weniger als einem Milligramm gemessen. Auch an der Gewässeroberfläche lagen die Werte unter dem für das Leben im Fluss kritischen Wert von vier Milligramm. Ein gesunder Fluss enthält acht Milligramm Sauerstoff pro Liter.  

 

Auch das eindringende Salzwasser macht dem Fluss während des Probestaus zu schaffen. Denn aus der Nordsee wird salzhaltiges Wasser in die Ems gepumpt - auch in die Süßwasserbereiche des Flusses. Der WWF hat in den Übergangsbereichen zwischen Salz- und Süßwasser bereits am Sonntagmorgen bei Leer dreifach erhöhte Salzwerte gemessen. Süßwasserarten können diesen plötzlichen Salzschock nicht verkraften.  

 

Der WWF misst während des Probestaus parallel zur zuständigen Behörde, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz (NLWKN). Beim letzten Probestau im August hatte der WWF erstmals die schlechten Sauerstoffwerte am Boden der Ems nachgewiesen, die die Behörde damals nicht erfasst hatte.  

 

„Die permanenten Eingriffe zerstören den Fluss“, so WWF-Expertin Beatrice Claus. Bis zum Jahr 2000 sei nur der Abschnitt zwischen Papenburg und Leer von den massiven ökologischen Problemen betroffen gewesen. Seitdem habe das Flusssterben auch den weiteren Verlauf der Ems bis zum Speerwerk Gandersum erreicht. Der WWF fordert Politik, Behörden und die Meyer-Werft auf, endlich Konsequenzen aus der jahrzehntelangen Zurichtung der Ems für die immer größer werdenden Schiffe der Werft zu ziehen. „Die Ems muss umfassend ökologisch saniert werden. Und die Meyer-Werft muss ernsthaft über Alternativen nachdenken. Eine ganze Region leidet unter den Folgen der Ems-Zerstörung“, so Claus.  

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