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Keine Entwarnung für Gift-Kraftwerk

13. Oktober 2008

Neue WWF-Studie: Schadstoffbelastung durch Ostsee-Kohlekraftwerk Lubmin weiterhin zu hoch

 

Trotz veränderter Planungen des dänischen Energiekonzerns DONG wird das Kohlekraftwerk im Seebad Lubmin die Umwelt erheblich mit Giften belasten. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die der WWF heute in Schwerin vorgestellt hat. Durch den Einsatz eines veränderten Kohlemixes werde zwar weniger Quecksilber als ursprünglich geplant in die Umwelt geblasen. Trotzdem erhöhe der Kraftwerksbau die Menge Quecksilber, die aus Deutschland über die Luft in die Ostsee gelange, auf 310 Kilogramm im Jahr. Das entspricht mehr als dem 10-fachen der heutigen Menge. Damit würde die Bundesrepublik ihre internationalen Zusagen zum Ostseeschutz brechen.

 

Über Einträge aus Flüssen und dem Abwasser des Kraftwerks erwartet der WWF beim Bau der Anlage zusätzlich eine Belastung der Ostsee um 600 Kilogramm Quecksilber pro Jahr. Das Gift gelange in der Nahrungskette auch in Fische und damit am Ende auch auf den Teller der Verbraucher. „Das Kraftwerk ist ein Klimakiller und eine gefährliche Giftschleuder. Am ökologisch sensiblen Greifswalder Bodden ist diese Anlage nicht genehmigungsfähig“, so WWF-Ostsee-Expertin Cathrin Münster. Schon im Dezember 2007 hatte der WWF nachgewiesen, dass das Kraftwerk deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen wird, als vom Betreiber angegeben. Darauf hatte der Energiekonzern ein neues Betriebskonzept vorgelegt.

 

Der Betreiber habe jedoch versäumt, die langfristigen Giftbelastungen für den Greifswalder Bodden zu berechnen. Das von DONG vorgelegte Gutachten stelle nur Berechnungen für das erste Jahr an – und sieht keine Probleme. Der WWF rechnet jedoch vor, dass die Quecksilber-Belastung zwanzig Jahre nach Beginn des Kraftwerkbetriebes schlimmstenfalls bis zu 500 Prozent über den von der Wasserrahmentrichtlinie vorgegebenen Zielwerten liegen könnte. Ganz außer Acht lässt das DONG-Gutachten, dass die Fischbelastung mit Quecksilber heute bereits den Zielwert der Wasserrahmenrichtlinie um ein Vielfaches überschreitet, so dass ein weiterer Quecksilbereintrag durch das geplante Kraftwerk nicht genehmigungsfähig ist. „DONG trickst leider weiter und verharmlost auf skandalöse Weise die Folgen des Kraftwerks für Mensch und Natur“, so Cathrin Münster.

 

In vielen Punkten – wie beim Ausstoß von Dioxinen und Cadmium – habe der Konzern nicht nachgebessert, kritisiert der WWF. „DONG will weiterhin nicht alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Schadstoffausstoß zu minimieren“, so der Autor des Gutachtens, Christian Tebert vom Institut Ökopol. So könnten beispielsweise die Staubemissionen von 750 Tonnen im Jahr durch modernere Filter halbiert werden.

 

Der Konzern habe auch kein „Worst-case“-Szenario für den Giftausstoß erstellt. So könnten die Emissionen von krebserregenden PAKs (Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen) bis zu achtmal höher ausfallen als vom dänischen Energiekonzern angegeben. Dies gelte auch für die zu erwartende Stickstoffbelastung, die bis zu viermal höher ausfallen könnte als von DONG berechnet – mit schwerwiegenden Folgen für die ohnehin schon weit über die Grenzwerte hinaus belasteten Wälder.

 

Der WWF fordert Bundes- und Landesregierung auf, den Kraftwerksbau zu stoppen. Die Umweltstiftung lehnt neue Kohlekraftwerke ab und fordert den Ausstieg aus der Kohleverstromung, weil Deutschland damit seine Klimaschutzziele nicht erreichen könne. Ein Mix aus Stromeinsparungen, Ausbau erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Koppelung könne die zukünftige Energieversorgung auch ohne Kohlekraftwerke sichern.

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