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Klima-Gutachter in der Kritik

27. Mai 2009

WWF Studie zeigt Schwächen der CDM-Zertifizierer / WWF fordert Verbesserungen bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn

 

Berlin – Die Arbeit der Gutachter zur Einschätzungen von Klimaprojekten aus Industrieländern in Entwicklungsländern (CDM) ist mittelmäßig bis schlecht. Eine aktuelle Studie des WWF zeigt, dass die Gutachterorganisationen die Erwartungen des CDM Exekutivrates kaum oder gar nicht erfüllen. Auf einer Skala von A (Bester) bis F (Schlechtester), erfüllte kein Gutachter die gestellten Anforderungen der ersten drei Plätze. TÜV-Süd und TÜV-Nord führen mit einer D-Platzierung die Liste an. SGS folgt mit E, BV Cert und DNV erhalten lediglich die Note F.  

 

„Viele Gutachter reichen bei der UN Projektanträge ein, die gravierende Mängel aufweisen“, erklärt Regine Günther, Leiterin Energie und Klima beim WWF Deutschland. „Mit dem Versagen der Prüforganisationen steht auch die Qualität der Klimaprojekte in Entwicklungsländern in Frage. Der WWF fordert deshalb die UN auf, die Klimaverhandlungen in Bonn zu nutzen, um den gesamten CDM-Prozess zu verbessern.“  

 

Die Studie des Öko-Instituts untersucht im Auftrag des WWF, in welchem Umfang die Gutachterorganisationen (engl.: Designed Operational Entities, DOEs) die Ansprüche des CDM Exekutivrates erfüllen. Dafür wertete das Öko-Institut mehr als 900 Projekte aus. Je nachdem wie oft und wie viele Projektanträge zurückgewiesen werden, wird die die Organisation eingruppiert. Das WWF-Rating der DOEs soll einen Beitrag dazu leisten, den Markt für Klimaprojekte transparenter zu gestalten.  

 

„Die Mitgliedsstaaten der EU müssen jetzt die Klima-Zertifikate, die von negativ bewerteten Gutachtern kommen und im EU-Emissionshandel Eingang finden, neu bewerten“, sagt Günther weiter. „Besonders kritische Zertifikate, wie zum Beispiel von der suspendierten DNV, müssen vom System ausgeschlossen bleiben.“  

 

CDM-Projekte ermöglichen es Industrieländern, Teile ihrer Emissionsverminderungen in Entwicklungsländern zu erfüllen. Beispielsweise über die Investition in Projekte wie den Bau von Windparks oder die Errichtung von Biomassekraftwerken. Für jede in einem solchen Projekt eingesparte Tonne CO2 erhalten die Investoren ein Zertifikat, das sie zur Erfüllung ihrer Reduktionsverpflichtung anrechnen dürfen.  

 

Schon in der Vergangenheit hat der WWF gezeigt, dass diese Projekte von zum Teil zweifelhafter Qualität sind und dadurch statt zu Emissionsverminderungen zu Emissionssteigerungen führen können. Richtige Beurteilungen der CDM-Projekte sind deshalb eine zentrale Voraussetzung, dass der Clean Development Mechanismus funktioniert.  

 

“Wollen wir den gefährlichen Anstieg der Treibhausgase begrenzen, dürfen Industrieländer nicht länger in zweifelhafte Ausgleichprojekte investieren. Stattdessen benötigen wir verbindliche Reduktionsziele für den Treibhausgasausstoß innerhalb der entwickelten Länder und darüber hinaus hochwertige Projekte zur Reduktion von Emissionen in Entwicklungsländern. Dies werden wichtige Themen für die Klimagespräche in Bonn werden,“ verspricht Günther.

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