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Klimaalptraum im arktischen Eis

25. April 2008

Klimawandel in der Arktis entwickelt sich schneller als berechnet

 

Der Klimawandel schlägt in der Arktis noch schneller zu als in den ohnehin dramatischen Modellrechnungen erwartet. Ein neuer WWF-Report fasst die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den klimatischen Veränderungen in der Region zusammen. „Die schlimmsten Befürchtungen werden von der Realität noch überholt“, so Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland zu den Ergebnissen des Berichts. Das sommerliche Packeis hatte im September 2007 nur noch eine Ausdehnung von 4,3 Millionen Quadratkilometern und lag damit fast 40 Prozent unter der Ausdehnung des langjährigen Mittelwerts. Die Meerestemperaturen lagen um bis zu fünf Grad über dem Normalzustand.

 

2005 hatte der Arktische Rat, ein Forum aus den acht Anrainerstaaten den bislang umfassendsten Bericht zum Klimawandel in der Arktis vorgelegt. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluß, dass die Temperaturen in der Polregion zwei bis drei Mal so stark ansteigen werden wie in anderen Teilen der Welt. Das sommerliche Packeis ist könnte bis zum Ende des Jahrhunderts völlig verschwunden sein.

 

Der WWF-Report zeigt, dass die Prognosen keinesfalls übertrieben waren. Im Gegenteil: Die Erkenntnisse aus den vergangenen zwei Jahren offenbaren, dass die Schmelze offenbar noch schneller voranschreitet als erwartet. Da sich die beobachteten Veränderung wie ein Anstieg der Wassertemperatur, weniger Schnee, schmelzende Grönlandgletscher und eine immer dünnere Packeisdecke gegenseitig verstärken, befürchten eine Reihe von Wissenschaftlern, dass die Region kurz vor einem so genannten „Tipping Point “ steht. Eine schnelle, nicht mehr umkehrbare Veränderung des gesamten Ökosystems wäre die Folge. Die Permafrostböden der Region speichern noch Millionen Tonnen Methan. Das Gas ist 21mal so klimaschädlich wie Kohlendioxyd. Werden diese Treibhausgase frei, wird sich der Klimawandel noch einmal beschleunigen. 

 

Insbesondere das Abschmelzen der Grönland Gletscher hätte auch für andere Regionen auf der Welt dramatische Folgen. Der letzte Bericht des UN-Weltklimarates (IPCC) von 2007 rechnet vor, dass die gewaltigen Mengen an Schmelzwasser den Meeresspiegel um 7,3 Meter ansteigen lassen, falls das gesamte Festlandeis Grönlands schmilzt. Die katastrophalen Folgen wären eine Veränderung der Landkarten aller küstennahen Regionen und der Untergang vieler Städte. Millionen Menschen wären von den Fluten bedroht. Die Heimat von rund 17 Millionen Menschen, etwa in Bangladesh, Indien, Florida und Louisiana liegt nur einen Meter über dem derzeitigen Meeresspiegel. Der WWF-Report verdeutlicht, dass es nicht reiche, Schutzgebiete in der Arktis zu erhalten. Es brauche wirksame internationale Anstrengungen, die globale Durchschnittstemperatur unter zwei Grad zu halten, um die Arktis zu retten.

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