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Klimaticket muss verbessert werden

17. September 2007

WWF fordert zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen für den Luftverkehr

 

Berlin - Heute bringt die Lufthansa ein so genanntes Klimaticket auf den Markt. Die Passagiere können durch einen Aufpreis einen Teil der durch den Flug entstandenen klimaschädlichen Emissionen wieder ausgleichen. Für den WWF ist diese freiwillige Abgabe „nur ein erster Schritt auf einem langen Weg“. Es dürfe nicht bei solchen kosmetischen Maßnahmen bleiben. „Wichtiger wäre es, Kerosin zu besteuern und so die Fluggesellschaften zu Investitionen in effizientere Flugzeuge und Routen zu bewegen“, betont WWF-Klimareferentin Juliette de Grandpré. Entsprechende Pläne der EU versuchen zahlreiche Luftlinien – darunter auch Lufthansa – abzuschwächen.  

 

Die Lufthansa erkenne mit dem neuen Klimaticket immerhin an, dass die Fluglinien mehr tun müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen, so der WWF. Noch ist unklar, ob die gesammelten Mehreinnahmen nur in hochwertige, nach dem sogenannten „Gold Standard“ zertifizierte Projekte fließen werden. Dieses Qualitätssiegel gewährleistet, dass die Einsparung der CO2-Emissionen sorgsam geprüft und ökologische und soziale Aspekte beachtet werden. Der WWF bemängelt den Klimaaufschlag der Lufthansa als zu niedrig. „Emissionen in großen Höhen heizen den Treibhauseffekt weitaus stärker an als der Kohlendioxidausstoß am Boden“, erläutert Juliette de Grandpré. Ein realistischer Klimaobolus müsste deshalb etwa drei Mal so hoch ausfallen*.  

 

Die Bedeutung des Flugverkehrs für den Klimawandel wächst. In den vergangenen 15 Jahren haben sich der globale Luftverkehr und damit die Emissionen mehr als verdoppelt. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Flüge sind bislang zwar nur für etwa drei Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich, ihre Klimawirkung ist aber zwei bis vier Mal so hoch, weil Stickoxide und andere Schadstoffe hinzukommen. Auch der emittierte Wasserdampf, sichtbar als Kondensstreifen am Himmel, fördert die Erderwärmung.  

 

„Der Flugverkehr wächst wie kein anderer Verkehrssektor. Gleichzeitig nimmt damit die Verantwortung der Branche für den Klimaschutz zu“, resümiert Juliette de Grandpré vom WWF. Ein freiwilliger Klimaaufschlag reiche nicht aus. Die Steuersubvention des Kerosins sowie die fehlende Mehrwertsteuer auf Flugtickets müssten mittelfristig korrigiert werden. Die Anwendung des Verursacherprinzips sei hier die beste Lösung. Aus diesem Grund befürwortet der WWF die Einbeziehung des Flugverkehrs in das Europäische Emissionshandelssystem.  

 

* Um die die Klimafolgen des Flugverkehrs zu berücksichtigen hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 1999 den „Metrik Radiative Forcing Index“ eingeführt. Mit dem RFI-Wert muss die ausgestoßene Menge CO2 mit einem Faktor 2 bis 5 multipliziert werden, um die gesamte Klimawirkung aller unterschiedlichen Schadstoffe eines Fluges zu berechnen.

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