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Kommt der Dorsch zurück?

29. Mai 2009

Wissenschaftler vermelden eine leichte Bestandserholung. / WWF fordert unnachgiebigen Kampf gegen illegale Fischerei.

 

Hamburg Nach Angaben von Wissenschaftlern hat sich der Dorsch-Bestand in der Ostsee leicht erholt. Der WWF sieht darin einen ersten Beweis, dass Managementpläne und niedrigere Fangquoten endlich greifen. „Es gibt keine Garantie, dass sich die Dorsch-Population in der Ostsee auch weiterhin positiv entwickelt. Der Beifang von Jungfischen und die illegale Fischerei müssen weiter reduziert werden,“ warnt WWF-Fischereireferentin Heike Vesper. Die Politik müsse sich deshalb unbedingt an die wissenschaftlichen Empfehlungen halten und dürfe die Fangquoten nicht unverhältnismäßig anheben.  

 

In seinem aktuellen Bericht empfiehlt der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES), den Vorgaben des vereinbarten EU-Managementplans weiterhin streng zu folgen. Durch die gute Entwicklung können die Fangquoten um 15 Prozent für den östlichen Dorsch-Bestand erhöht werden. Außerdem kann aufgrund des positiven Trends erstmals auch in der westlichen Ostsee wieder etwas mehr Dorsch gefangen werden. „Wir müssen dem Ostsee-Dorsch weiterhin Zeit geben, sich von der rücksichtslosen Ausbeutung vergangener Dekaden zu erholen“, sagt Heike Vesper. „Wer jetzt die Fangquoten drastisch erhöht, der riskiert einen Kollaps der sich gerade leicht erholenden Bestände.“ Nach Meinung des WWF müssen dringend die Fangtechniken verändert werden, um die Jungtiere zu schützen. Es wird geschätzt, dass in der Schleppnetzfischerei nach Dorsch in der Ostsee etwa 28 Prozent des Fangs wieder über Bord gehen.  

 

Die Wissenschaftler selbst weisen auf die großen Unsicherheiten in ihrer Vorhersage für die Entwicklung des Dorschbestandes hin. Für die Berechnungen wurde von minimalen Beifängen und einer sehr geringen illegalen Fischerei ausgegangen. So haben dem WWF zufolge in den vergangenen Jahren viele Ostsee-Anrainerstaaten 32 bis 45 Prozent mehr Dorsch gefischt als nach EU-Gesetzen erlaubt. Nach offiziellen Angaben der Mitgliedsländer ist diese Quote zwar auf sechs Prozent zurückgegangen, doch die Unsicherheit über die tatsächliche Größe der illegalen Aktivitäten ist groß. „Der Kampf gegen gesetzeslose Fischer muss mit unverminderter Härte fortgesetzt werden“, fordert WWF-Expertin Vesper. „Auch EU-Staaten, die geltende Fangquoten und Managementpläne unterlaufen, dürften nicht ohne Sanktionen davonkommen.“ Zuletzt hatten 2007 polnische Fischer mit der Rückendeckung der Regierung in Warschau, illegal Dorsch gefangen und damit gegen geltendes EU-Gesetz verstoßen.

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