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Korallen aus der Kälte

26. Juni 2006

WWF und Meeresmuseum zeigen Ausstellung zu unbekannten Kaltwasserkorallen

 

Hamburg/Stralsund, 26.06.2006-Jeder kennt die bunte Vielfalt der tropischen Korallenriffe - sei es aus dem Fernsehen oder sogar von den eigenen Tauchgängen im Urlaub. Was bislang nur Wenige wissen: auch in den kalten Gewässern vor unserer Haustür findet sich in Tiefen von 30 bis 3000 Metern eine ungeheuer bunte und lebendige Vielfalt an Riffen. Diese faszinierende Welt heimischer Kaltwasserkorallen stellen das Deutsche Meeresmuseum und der WWF jetzt in einer Ausstellung vor. Die Schau ist vom 29. Juni bis zum Ende der Sommersaison in den MeeresWelten am Stralsunder Hafen zu sehen.

 

 

 

'Wir laden die Museumsbesucher zu einer Reise in die unbekannte Welt der Tiefsee ein', so Dr. Götz-Bodo Reinicke, leitender Meeresbiologe am Deutschen Meeresmuseum. Bei der Betrachtung überdimensionaler Polypen-Nachbildungen schrumpft der Betrachter zum Bewohner des unbekannten Lebensraumes. Die Ausstellung zeigt ein Modell des Ökosystems Kaltwasserkorallen und faszinierende Fotos aus der geheimnisvollen Unterwasserwelt. 'Über 2000 Arten konnten an den noch weitgehend unerforschten Riffen bereits bestimmt werden. Fast täglich kommen neue dazu. Diese Schatzkammer der Tiefsee birgt noch viele Überraschungen', so Dr. Reinicke. Die Riffe sind die Apotheke der Meere, denn sie bergen eine Vielzahl medizinisch wirksamer Substanzen. Zudem sind Kaltwasserkorallen die Kinderstube für ungezählte Fischarten.

 

 

 

Doch die Regenwälder der Meere drohen zu verschwinden, bevor der Mensch sie richtig entdeckt hat. 'Die Fischindustrie zerstört die Korallenriffe mit ihren Grundschleppnetzen großflächig. Die Netze pflügen über den Meeresboden und hinterlassen binnen weniger Minuten ein Schneise der Verwüstung in den Jahrtausende alten Riffen', so WWF-Referent Christian Neumann. So sind in einigen Meeresregionen bereits 30 bis 50 Prozent der Vorkommen verloren. Die Regeneration zerstörter Riffe dauert, wenn überhaupt möglich, mehrere Hundert Jahre. Der WWF engagiert sich deshalb für einen umfassenden Schutz der Korallen und umweltschonende Fischereimethoden.

 

 

 

Der WWF konnte bereits einige Regierungen zum Umdenken bewegen. So stellte Norwegen das größte bislang bekannte Kaltwasserkorallenriff vor den Lofoten unter Schutz. Erst vor wenigen Wochen kündigte die irische Regierung die Einrichtung entsprechender Schutzzonen an. Damit sind im Nordostatlantik 18 Gebiete vor der Zerstörung bewahrt. 'Trotz dieser Erfolge liegt noch viel Arbeit vor uns. Denn bislang ist erst einen Bruchteil der bekannten Kaltwasserkorallenriffe gerettet', betont Neumann.

 

 

 

Die Korallen-Ausstellung geht im Anschluss an die Schau in Stralsund auf Wanderschaft. Sie kann von interessierten Einrichtungen gebucht werden.

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