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Im Herzen Afrikas

Anne Thoma reiste nach Dzanga-Sangha © Valentin Hoff / WWF

Dzanga-Sangha, davon wusste ich bisher – so gut wie nichts. Aber ich lerne. In den tiefen Regenwäldern ganz im Südzipfel der zentralafrikanischen Republik leben Waldelefanten, Flachlandgorillas und das mystische Naturvolk der BaAka. Pygmäen, wie man sie früher nannte. Dzanga-Sangha ist Teil des Schutzgebiets „Trinationale de la Sangha“, aufgeteilt zwischen Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der Republik Kongo. Nirgendwo sonst können noch über 150 Waldelefanten auf einer einzigen Urwaldlichtung beobachtet werden. Ein Naturparadies. Aber es gab hier Bürgerkrieg, erst eine Rebellengruppe, dann eine andere. Die BaAka werden unterdrückt. Elefanten werden von Wilderern erschossen, der Wald geplündert.

Dzanga-Sangha. Der Elefantenwald. Weit, weit weg. Und sehr kompliziert.

Dzanga-Sangha im Kongo © Valentin Hoff / WWF

Die Menschen im Elefantenwald

Alfonso © Valentin Hoff / WWF

„Ich jage, um meine Kinder zu ernähren.“

Alfonso geht jeden Tag mit seinem altertümlichen Gewehr in den Wald. Er schießt dort alles, was sich auf dem Markt in Bajanga verkaufen lässt. Das können mehr als ein Dutzend Tiere sein, pro Tag. Er sagt, er habe einen Jagdschein.

Mbusa © Valentin Hoff / WWF

„Mein Herz ist am glücklichsten im Wald.“

Die BaAka Frau wurde im Dschungel geboren. Wann, das weiß sie nicht. Sie ist Witwe. Letztes Jahr verlor sie ihre einzige Tochter an Tuberkulose. Ihr Wort hat unter den BaAka Gewicht – sie gilt als gute Jägerin. 

Flavien © Valentin Hoff / WWF

„Stirbt ein Elefant ist es, als wenn ein Freund stirbt“

Flavien arbeitet seit acht Jahren als Ranger. Vor allem bewacht er die berühmte Dzanga Bai, die Lichtung der Waldelefanten. Sieben Tage ist er im Einsatz, dann kann er für zwei Tage zu seiner Frau und den fünf Kindern nach Hause gehen. Er überlebte 2013 den Überfall von plündernden Rebellen und das Massaker an den Elefanten. Er ist stolz auf seinen Job.

Wilderei: Wenn der Wald schweigt

Die Bevölkerung wächst, auch hier. Alle wollen essen. Buschfleisch soll den Hunger stillen: Antilopen, Affen, alles. Der stetig schwelende Bürgerkrieg hat viele Kriegswaffen ins Land gespült. Sie sind allgegenwärtig. Auch mit ihnen lässt sich jagen. Im Nationalpark ist jede Jagd strengstens verboten, viele Tierarten sind außerdem im ganzen Land strikt geschützt. Dieses Jagdverbot wird auch von Rangern überwacht. Außerhalb des Nationalparks sieht es anders aus. Zwar braucht man eigentlich eine Lizenz, um nach strikten Regeln in den Dorfwäldern, der sogenannten Pufferzone, jagen zu dürfen - doch der Hunger ist groß und womit soll man sonst Geld verdienen, nach dem Bürgerkrieg?

Artenschützer sprechen schon längst von der Buschfleischkrise, die durch Wilderei entsteht. Wenn so viel geschossen und gefangen wird, dass der Regenwald stumm und leer bleibt, nennt man dies Empty Forest Syndrom.

Tatsächlich ist es hier oft auch mitten im Regenwald sehr still. Selbst für die Menschen, die auf jedes Geräusch lauschen. Menschen, die schon immer von und im Wald gelebt haben, und die auch heute außerhalb des Nationlparks mit traditionellen Stellnetzen jagen dürfen. Menschen wie Mbusa. Sie ist noch nicht alt. Aber sie weiß, dass es anders war.

Ranger an vorderster Front

Seit 2012 ist Dzanga-Sangha UNESCO-Weltnaturerbe. Der WWF arbeitet hier schon seit 1990. Wegen der einzigartigen Waldelefanten, der Gorillas, des Waldes, der Kultur der BaAka. Während in großen Teilen Afrikas die Wilderei seit ein paar Jahren zunehmend eskaliert, ist Dzanga-Sangha einer der wenigen Orte, an dem noch ein gewisser Schutz herrscht, trotz des politischen Chaos. Das Konzept des WWF, es scheint zu funktionieren: Die Bevölkerung einbeziehen, den Park zur Geldquelle machen, Jobs schaffen, Alternativen zur Abholzung, zur Wilderei bieten.

Es gibt hier drei Arten von Wilderei. Männer, wie Alfonso jagen für sich und ihre Familie, wie die Menschen es seit Jahrhunderten tun. Die Wildfleischmafia plündert gnadenlos den Wald leer und versucht Männer wie Alfonso anzuwerben, um mehr zu schießen, immer mehr – und große Mengen Fleisch in den wachsenden Städte des Landes zu verkaufen. Die Jagd auf das Elfenbein der Elefanten von Dzanga-Sangha ist sogar Teil internationaler Mafiastrukturen. Die Kunden sitzen meist im Ausland. Ein Stoßzahn bringt  ein Vermögen, hier in einem der ärmsten Länder der Welt.

Gewilderter Waldelefant in Dzanga-Sangha © Martin Harvey / WWF Canon
Gewilderter Waldelefant in Dzanga-Sangha © Martin Harvey / WWF Canon

2013 kam es zum schrecklichsten Angriff auf den Nationalpark. In den Wirren der Rebellenkämpfe wurden 26 Waldelefanten innerhalb von zwei Tagen von einer schwer bewaffneten Wildererbande abgeschlachtet - mitten im Nationalpark. Nur wegen des Elfenbeins – selbst Jungtiere mit winzigen Zähnen. Das WWF Büro wurde geplündert, ausländische WWF Mitarbeiter mussten fliehen.

Flavien blieb. Der Eco Ranger steht im Auftrag des WWF an vorderster Front gegen die Wilderer. Fast jeden Tag. Es ist gefährlich. Aber er ist stolz auf seine Arbeit. Zurecht: 2014 gab es im Nationalpark keinen einzigen Nachweis eines gewilderten Elefanten. Vielmehr konnten auf der Dzanga Bai wieder bis zu 150 Elefanten beobachtet werden. Flaviens Arbeit wirkt.

Stoppen Sie den Krieg im Elefantenwald!

Unterstützen Sie die Ranger. Wilderei ist mehr als ein Verbrechen an der Natur. Der Schutz der bedrohten Arten und der lokalen Bevölkerung müssen Hand in Hand vorangebracht werden.

Helfen Sie jetzt.