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Lachs und Scholle - nicht so dolle

21. Oktober 2011

WWF kritisiert überhöhte Fischereiquoten für Ostseelachs / Deutsche Fischer dürfen 2012 mehr Dorsch und Hering fangen

 

Hamburg - Die Fischereiminister der EU haben heute in Luxemburg festgelegt, wie viel Fisch 2012 in der Ostsee gefangen werden darf. Der WWF lobt die generelle Annäherung an wissenschaftliche Empfehlungen, kritisiert aber die Entscheidungen zu Lachs und Scholle, die trotz Kürzungen stark hinter den Kommissionsvorschlägen zurückbleiben.

 

„Die Fischereiminister unterlaufen mit solchen Entscheidungen die konstruktiven Vorlagen von Kommissarin Damanaki für eine wissenschaftsbasierte und zukunftsfähige Fischerei“, sagt Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF. „Insbesondere die Fangmenge für Ostseelachs zeigt, dass die Minister immer noch kurzfristigen Interessen folgen, statt die Erholung der Fischbestände zu ermöglichen. Damit graben sie letztlich auch der Fischerei das Wasser ab.“ Um die Lachsbestände zu schützen, hatte die Kommission eine Kürzung der Fangmenge um fast 80 Prozent auf rund 53.000 Lachse vorgeschlagen. Doch die Minister haben die Fangmenge nur um die Hälfte (51 Prozent) gekürzt. Der Ostseelachs wird hauptsächlich von den baltischen Staaten befischt, während deutsche Fischer vornehmlich Dorsch, Hering und Scholle fangen.

 

Die Schollenfischerei in der Ostsee hätte zu einem Präzedenzfall für einen neuen Vorsorgeansatz der EU-Fischereipolitik werden können. Die Kommission hatte angekündigt, bei erheblichem Datenmangel, wie er auch in der Schollenfischerei herrscht, die Höchstfangmengen pauschal um ein Viertel zu kürzen. „Wenn nicht genug Daten über Fischbestände vorliegen, muss man vom Schlimmsten ausgehen“, so Schacht. „Die Ministerentscheidung ignoriert den berechtigten Vorsorgeansatz und versäumt damit, die Mitgliedstaaten in die Pflicht zu nehmen, um endlich verlässliche Daten aus den Fischereien zu liefern.“ Festgesetzt wurde nur ein Minus von 5 Prozent.

 

Seit sechs Jahren waren die Fangmengen für Ostseehering kontinuierlich gekürzt worden. Im kommenden Jahr darf der Hering vor der Deutschen Ostseeküste aber wieder stärker befischt werden. Für den westlichen Bestand wurde ein Plus von 32 Prozent beschlossen. „Dies könnte sich als Bumerang für die Deutsche Fischerei erweisen, falls nicht im Gegenzug der Nordseehering im selben Maße geschont wird“, warnt Fischereiexpertin Schacht. Diese Entscheidung falle jedoch erst im Dezember. Wissenschaftler prognostizieren ansonsten einen Einbruch des Bestandes, der sich langfristig auswirken könnte.

 

Die Fangmenge für Dorsch aus der östlichen Ostsee wurde gemäß des geltenden Langzeitmanagementplans um 15 Prozent erhöht. Dank der langfristig ausgerichteten Bewirtschaftung konnte sich dieser Bestand in fünf Jahren mehr als verdreifachen. „Die Entwicklung des Dorschs in der östlichen Ostsee ist ein Paradebeispiel dafür, was eine gelungene Reform der Fischerei bewirken könnte: Hier dürfen die Fischer mit gutem Gewissen jedes Jahr mehr fangen, weil der Fischbestand kontinuierlich wächst“ so Schacht. „Dieses Erfolgsrezept muss die Fischereireform auf alle europäischen Fischbestände übertragen.“ Der Dorschbestand in der östlichen Ostsee auf etwa 309.000 Tonnen angewachsen, zuletzt war der Bestand vor 14 Jahren so groß.

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