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Letzte Chance für den Roten Tunfisch

29. März 2007

WWF: EU muss Quoten für Mittelmeer-Tunfisch halbieren, sonst kollabieren die Bestände

 

Frankfurt a. M. - Einen Monat vor Beginn der Tunfisch-Saison im Mittelmeer fordert der WWF von den Fischereiministern der Europäischen Union, die Fangquoten für Roten Tunfisch ( Thunnus thynnus) zu halbieren. Andernfalls, so der WWF in einem aktuellen Bericht, brächen die Bestände zusammen. „Die Quoten liegen in diesem Jahr doppelt so hoch wie von Wissenschaftlern empfohlen“, sagt WWF-Expertin Karoline Schacht. „Und das, obwohl Roter Tunfische zu den am stärksten überfischten Arten gehören.“ Jährlich werden über vier Millionen Tonnen Roter Tun gefangen, zehnmal so viel wie vor fünfzig Jahren.  

 

In dem Bericht warnt der WWF vor der möglicherweise dramatischen Kettenreaktion, die die verstärkte Jagd nach Rotem Tunfisch nach sich ziehen könnte. Karoline Schacht: „Der Rote Tunfisch ist einer der größten Raubfische des Mittelmeers. Wenn seine Zahl abnimmt, vermehren sich automatisch seine Beutetiere, beispielsweise die Tintenfische. Diese wiederum ernähren sich von Sardinen, von denen zahllose Kleinfischer rund ums Mittelmeer leben. Der Kollaps des Roten Tunfischs könnte also den wirtschaftlichen Ruin für die Sardinen-Fischer bedeuten.“  

 

Festgelegt worden war die hohe Quote durch die „Internationale Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs“ (ICCAT), die die Tunfisch-Fischerei im Mittelmeer regelt – gegen das Plädoyer der eigenen Wissenschaftler. Der Großteil der weltweiten Roten Tunfisch-Quote wird jährlich der EU zugeschlagen. Vor allem die Mittelmeer-Anrainerstaaten Frankreich, Spanien und Italien fangen den begehrten Fisch.  

 

„Wenn die EU-Staaten mit gutem Beispiel vorangehen und mit halbierten Fangquoten auch den Schutz des Mittelmeers insgesamt fördern, werden andere Staaten folgen“, hofft Fischerei-Expertin Schacht. Doch nicht nur Brüssel, auch Händler und -Verarbeiter könnten etwas tun: „Kaufen Sie keinen Roten Tunfisch aus Ländern, die sich weigern, die Fangquoten zu halbieren.“  

 

Der WWF fordert von den Europäischen Fischereiministern neben einer Halbierung der Fangquoten ein totales Fangverbot während der Fortpflanzungszeit im Juni sowie einen Fangstopp in libyschen Gewässern, in denen sich die Jungfische aufhalten.

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