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Licht und Schatten für den Tiger

24. November 2011

Zensus auf Sumatra: Tiger in 70 Prozent aller Wälder. / Ein Jahr nach Tiger-Gipfel: Wilderei in Asien bleibt größte Bedrohung.

 

Berlin - Ein Jahr nach dem internationalen Tiger-Gipfel in St. Petersburg zum Schutz der letzten etwa 3.200 Tiger in freier Wildbahn zieht die Umweltschutzorganisation WWF ein geteiltes Zwischenfazit. So sei die Wilderei in vielen Teilen Asiens weiterhin ein sehr großes Problem, das von den örtlichen Behörden nicht engagiert genug angegangen werde. Zugleich kommt eine vom WWF mit durchgeführte Studie zu dem Ergebnis, dass noch über 70 Prozent der verbliebenen Wälder auf Sumatra von Tigern bewohnt werden. „Angesichts des hohen Lebensraumdrucks und der prekären Situation auf Sumatra gibt dieses überraschend positive Ergebnis neue Hoffnung für das Überleben der letzten Insel-Tiger“, erklärt Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland.

 

Der Sumatra-Tiger ist die letzte Unterart des Tigers, die nicht auf dem asiatischen Festland vorkommt. Der Java- und der Bali-Tiger wurden bereits vor einigen Jahrzehnten ausgerottet. „Die Insel-Population auf Sumatra gilt als vom Aussterben bedroht und könnte die nächste Unterart sein, die ausgelöscht wird“, erklärt Homes. Seit 1985 verlor Sumatra pro Jahr im Durchschnitt 550.000 Hektar Naturwald. Das bedeutet, dass in den letzten zwei Jahrzehnten in jeder einzelnen Stunde ein Wald von der Größe von 88 Fußballfeldern verschwunden ist. Damit ist der potentielle Tiger-Lebensraum erheblich geschrumpft. Gleichzeitig hat der Bevölkerungsdruck auf die verbliebenen Wald-Areale zugenommen. Unangetastete und komplett unbewohnte Regionen wurden seltener. „Der aktuelle Bericht zeigt, dass Tiger auch in von Menschen genutzten Waldregionen geeignete Lebensbedingungen vorfinden können“, sagt Volker Homes. Umso wichtiger seien effektive Programme, um Mensch-Tiger-Konflikte zu vermeiden und die Wilderei in den durch Straßen- und Wegenetze leichter zugänglichen Wäldern zu bekämpfen.  

 

Das Problem der Wilderei ist nach WWF-Einschätzung auch ein Jahr nach dem Tiger-Gipfel hoch problematisch. „Der politische Wille scheint vorhanden, doch die Umsetzung von Anti-Wilderei-Maßnahmen geht nur schleppend voran“, kritisiert Tiger-Experte Volker Homes. Daher fordert der WWF das Problem ernst zu nehmen und in den prioritären Tiger-Regionen gut ausgebildete und ausgerüstete Anti-Wilderer-Einheiten einzusetzen. Wenn Täter dingfest gemacht seien, dürfe die Justiz nicht die Augen verschließen und sie mit milden Strafen davon kommen lassen, wie jüngst bei einem Fall auf Sumatra, so die Kritik.

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