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Marathon-Projekt für Leo

24. Mai 2007

WWF startet in Russland Wiedereinbürgerungsprogramm für die vom Aussterben bedrohten Kaukasus-Leoparden

 

Frankfurt - Nach Schätzungen des WWF gibt es nur noch 40 bis höchstens 65 Kaukasus-Leoparden. Diese leben hauptsächlich in Armenien, Aserbaidschan und Iran. In Russland gelten die Tiere mittlerweile als so gut wie ausgestorben. Um der extrem seltenen Raubkatzenart eine langfristige Überlebenschance zu geben, startete der WWF in dieser Woche zusammen mit dem Umweltministerium Russlands und unterstützt von zwei Wirtschaftsunternehmen ein auf mindestens sechs Jahre angelegtes „Wiedereinbürgerungsprogramm“ für die Leoparden im russischen Kaukasus. Heute beginnen die auf verschiedene Phasen angelegten Maßnahmen mit dem Aufbau spezieller Wildgehege im Sochi Nationalpark. Sobald die Gehege fertig gestellt sind, werden die ersten Kaukasus-Leoparden aus Zoohaltung einziehen. Der Nachwuchs, der hier geboren wird, soll dann die Gründergeneration für die Wiederansiedlung des Kaukasus-Leoparden in freier Wildbahn bilden.  

 

Noch finde man hin und wieder Spuren der selten gewordenen Tiere im russischen Kaukasus, erläutert Frank Mörschel, aber: „Würden sich nicht hin und wieder einzelne Leoparden aus den anderen Verbreitungsgebieten über die russische Grenze verirren, wäre die Art in Russland bereits ausgestorben. Die dortige Population schafft es aus eigener Kraft nicht mehr, für ausreichenden Nachwuchs zu sorgen. Wenn wir die Art langfristig retten wollen, können wir nicht mehr allein auf die ‚Grenzgänger’ vertrauen, sondern müssen schnell dafür sorgen, dass sich die russische Population wieder erholt.“  

 

Vereinzelte Spuren findet man in Russland nur noch in den Provinzen Dagestan und Inguschetien. Auch in Tschetschenien vermutet der WWF noch einige Tiere. Allerdings ist ein effektiver Schutz in diesen von Krisen geschüttelten Regionen nicht möglich. Der größte Schutzgebietskomplex des Kaukasus befindet sich daher in den politisch stabileren Provinzen weiter westlich, wo der Leopard jedoch bereits vor Jahrzehnten ausgerottet wurde.  

 

Neben der Wiederansiedlung der Leoparden kümmert sich der WWF im Laufe der nächsten Jahre auch um die notwendigen Rahmenbedingungen, unter denen sich die Tiere wohlfühlen sollen: So werden sich die Umweltschützer weiter dem Kampf gegen Wilderer widmen und sich dafür einsetzen, dass sich die Beutetiere der Leoparden vermehrt in der Region ansiedeln.  

 

Frank Mörschel, WWF-Experte für Naturschutz im Kaukasus: „Wir freuen uns sehr, dass unsere Partner dieses schwierige und sehr ambitionierte Wiedereinbürgerungsprogramm unterstützen. Wir liefern das Know-how und kümmern uns um die Umsetzung, aber ohne finanzielle Hilfe könnten wir ein solches Marathon-Projekt, für das man einen extrem langen Atem braucht, nicht stemmen.“

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