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Mehr Masse als Klasse

26. Oktober 2007

WWF begrüßt wachsende Bereitschaft zum Bericht von CO2-Emissionen

 

Berlin - Der Klimawandel erreicht zunehmend die Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Die grundsätzliche Bereitschaft, über die Emissionen des Unternehmens Auskunft zu geben und Klimaschutzstrategien vorzulegen, ist deutlich gestiegen. Allerdings lasse insbesondere die Verwertbarkeit und Transparenz der Auskünfte nach wie vor Wünsche offen.  Zu diesem Ergebnis kam das „Carbon Disclosure Project“ (CDP) bei seiner diesjährigen Untersuchung. Das CDP befragte zusammen mit dem Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften (BVI) und dem WWF zum zweiten Mal die 200 größten deutschen Aktiengesellschaften nach ihrer CO2-Bilanz. Neben Chancen und Risken berichten die Unternehmen über ihre tatsächlichen Emissionen im zurückliegenden Jahr und über die Unternehmensstrategie zu deren Minderung. Die Informationen sollen Investoren helfen, Klimarisiken in ihre Investitionsentscheidungen zu integrieren.  

 

Der WWF begrüßt die in diesem Jahr deutlich gestiegene Rücklaufquote der Antworten von zuletzt 31 auf 52 Prozent. Dies sei eine Grundvoraussetzung für verbesserten Klimaschutz. Nur wer seine Emissionen kenne, könne sie erfolgreich reduzieren. Allerdings war immer noch knapp die Hälfte der größten deutschen Unternehmen nicht in der Lage oder nicht gewillt, transparent zu antworten. Es gibt eine deutliche Tendenz zur Auskunftsbereitschaft mit steigender Unternehmensgröße, z.B. haben über 90 Prozent der DAX-Unternehmen geantwortet. Ingesamt konnte mit 67 Prozent der antwortenden Unternehmen gerade mal ein Drittel der insgesamt Befragten eine Planung vorlegen, die auf klimabedingte Geschäftsrisiken und -chancen strategisch reagiert.  

 

Die Auswertung der Befragungen zeigt, dass Versicherer, Energieversorger sowie Logistik- und Transportunternehmen über ihre besondere Risikosituation berichten. „Eine homogene Qualität der Risikoeinschätzung fehlt jedoch, und eine Quantifizierung der Risiken nimmt niemand vor“, bemängelt Matthias Kopp, Projektleiter für den Finanzsektor beim WWF Deutschland. In einzelnen Sektoren gehe die Risikowahrnehmung weit auseinander. Eine Mehrheit der befragten Unternehmen sähe den Klimawandel sogar als Chance.  

 

„Offensichtlich wächst das Bewusstsein über ihre Klimarisiken und -chancen bei vielen Unternehmen. Vergleichbar und belastbar quantifiziert sind diese Überlegungen bislang nicht. Das sollte Investoren und Anteilseigner zu denken geben. Sie sollten den aktiven Dialog mit Unternehmen suchen“, empfiehlt Matthias Kopp vom WWF. Das CDP sei eine gute und gegenwärtig auch die einzige Basis dafür.  

 

Weltweit werden durch das Projekt die 2.400 größten börsennotierten Unternehmen von mehr als 300 institutionellen Investoren befragt. Sie verwalten ihrerseits zusammen ein Vermögen von über 40 Billionen US Dollar. Der WWF fordert, die Klimarisiken und insbesondere den Kohlendioxidausstoß wie alle anderen quantifizierbaren Geschäftsrisiken, in Unternehmensbewertungen auf Investoren- und Analystenseite zu integrieren. Insbesondere im Finanzsektor beginne man erst langsam die Bedeutung und Konsequenzen von Emissionen und Klimawandel auf Unternehmenswerte tatsächlich in Entscheidungen einfließen zu lassen. Kurzfristige Profite stehen im Widerspruch zur Integration langfristiger Risiken in strategische Entscheidungen, so der WWF.  

 

Mit dem BVI zeige sich ein Branchenverband zukunftsorientiert indem er sich signifikanten Risikofaktoren für Investmentwerte zuwende. Es gelte nun, die Befragung von Unternehmen zu deren CO2-Strategien und tatsächlichen Emissionen zu einem Standard für die globale und deutsche Berichterstattung zu entwickeln. Transparenz, Qualität und Verfügbarkeit dieser CO2-Infor-mationen seien für Investoren und Unternehmen ein Schlüssel, um Risiken zu minimieren die Wertentwicklung zu maximieren und damit strukturell CO2-Emissionen abzubauen.

 

 

 

Hintergrund:

 

Das CDP hilft in Deutschland Risiken und Chancen des Klimawandels für Unternehmen transparent zu machen. Mit der Initiative wird der Bedeutung von CO2-Emissionen für Unternehmenswerte und strategische Managemententscheidungen nun zum zweiten Mal für Deutschland Rechung getragen. Auch 36 deutsche institutionelle Investoren verlangen von den 200 größten deutschen Unternehmen die konstruktive Veröffentlichung der Kohlendioxidemissionen, der CO2-Strategie und -governance. Damit wird der vernachlässigte Aspekt in der Unternehmensberichtserstattung beleuchtet, der spätestens mit Einführung des europäischen Emissionshandels direkte Relevanz bekommen hat.

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