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Millionengrab Weservertiefung

07. September 2006

BUND und WWF: Flussausbau ist wirtschaftlich unsinnig und ökologisch fatal

 

Hannover/Hamburg, 07.09.2006: Die Umweltverbände BUND und WWF sprechen sich in einer heute veröffentlichten Stellungnahme gegen die 30 Mio. Euro teure Vertiefung der Unterweser und den 15 Mio. teuren Ausbau der Außenweser für die Containerschifffahrt aus. "Die Vertiefung auf Kosten der Steuerzahler dient nicht dem Gemeinwohl, sondern den Interessen weniger Unternehmen", erläutert BUND-Geschäftsführer Martin Rode. Profiteure an der Unterweser seien der Futtermittelimporteur Müller in Brake und die Stahlwerke Bremen. Beide Unternehmen blieben aber auch ohne Flussvertiefung konkurrenzfähig. An der Außenweser werde die absehbare Auslastung des Bremerhavener Containerterminals um wenige Jahre beschleunigt. "Letztlich geht es um vergleichsweise geringe betriebswirtschaftliche Vorteile, die hier auf Kosten der Allgemeinheit und der Natur erzielt werden sollen", kritisiert WWF-Expertin Beatrice Claus.

 

Die geplante Vertiefung der Weser zwischen Bremen und der Nordsee um rund einen Meter richte erheblichen ökologischen Schaden an und vergrößere die Hochwassergefahr, warnen die Verbände. Die Vernichtung von ökologisch wertvollen Flachwasserzonen und strömungsberuhigten Seitengewässer durch Verschlickung und Absinken der Wasserstände bei Ebbe werden fortgesetzt. Lebensraum, Nahrungs-, Aufwuchs- und Laichgebiet für Fische, wie zum Beispiel für die geschützte Finte, gehen verloren. Die schon durch die Ausbauten der Vergangenheit verursachten, für die Flusstiere und Pflanzen lebensfeindlichen Strömungsverhältnisse und Wasserstandsänderungen werden weiter verschlechtert. Salzwasser wird als Folge der Ausbaumaßnahmen weiter in den Fluss eindringen und Süßwasser-lebensräume vernichten. Durch erhöhte Überschwemmungshäufigkeiten der Vorlandbereiche gehen Vogelbruten geschützter Arten verloren. Insgesamt führen die Umweltauswirkungen entgegen der verharmlosenden Darstellung der Gutachter zu einer erheblichen Beeinträchtigung der europäischen Naturschutzgebiete in der Unterweser.

 

Schon heute sei die Weser in vielen Bereichen ein bis zwei Meter tiefer als die bei der letzten Baggerung 1979 angestrebten neun Meter. Grund dafür sind laut BUND und WWF unkontrollierbare Erosionen am Grund des Flusses und "skandalöse illegale Vertiefungen". "Jede weitere Vertiefung führt zu einem unkalkulierbaren Risiko für die Ökologie und Hochwassersicherheit", betont Claus. BUND und WWF kritisieren die unzulänglichen Planungsunterlagen. Weder sei der Bedarf für die Vertiefungen vernünftig ermittelt, noch sei die Einschätzung der ökologischen Folgen seriös durchgeführt worden. Es sei erschreckend, wie schlampig die Antragsteller die Vertiefung begründen, so die Umweltverbände. Zudem beklagen die Verbände eine fehlende Koordination der Hafenstandorte Bremen/ Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven. "Die Hafenkonkurrenz geht zu Lasten der Natur und der Steuerzahler. Deutschland reicht ein Standort für die größten Containerschiffe der Welt", fasst Rode zusammen.

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