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Mit dem Fisch stirbt der Ozean

02. Mai 2007

EU-Konferenz in Bremen: WWF fordert Umkehr in der Meeres- und Fischereipolitik

 

Bremen - Mit einem riesigen Kabeljau-Skelett protestiert der WWF zum Auftakt der am Mittwoch Abend beginnenden EU-Meereskonferenz in Bremen gegen die Ausbeutung der Ozeane. Die Umweltschützer fordern den Präsidenten der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer radikalen Neuorientierung auf. „Überfischt, verschmutzt, ausgebeutet und verbaut – Europas Meere und Küsten stehen am Scheideweg. In der EU wird viel von Meeresschutz geredet, aber zu wenig gehandelt. Das muss sich ändern, sonst ist es für unsere Ozeane zu spät“, so WWF-Meeresexperte Stephan Lutter.  

 

Das Fisch-Skelett hat der britische Künstler Richard Sharples aus alten EU-Verordnungen gebaut. „Mit dem Fisch stirbt der Ozean“, warnt ein Banner des WWF. „Der Kabeljau ist ein drastisches Beispiel für das Scheitern der Brüsseler Politik. Die Lippenbekenntnisse und Beschlüsse der letzten Jahrzehnte haben nichts daran geändert, dass der Kabeljau in der Nordsee vor dem Kollaps steht“, so Lutter. Die europäischen Fischbestände sind bis zu 80 Prozent überfischt. Bremer Schulkinder kleben während der Aktion Bilder auf die Skulptur, mit der sie ihre Wünsche und Sorgen zur Zukunft der Meere ausdrücken. „Unsere Kinder haben ein Recht auf gesunde Meere“, erklärt Lutter.  

 

Politiker und Experten diskutieren in Bremen bis zum kommenden Freitag über die zukünftige EU-Meerespolitik. Dabei werde der Naturschutz allerdings sträflich vernachlässigt. „Die Umwelt hat hier nur eine Alibifunktion, wirtschaftliche Interessen stehen im Vordergrund“, sagt Stephan Lutter. Der WWF fordert ein Netzwerk von Schutzgebieten. In allen anderen Meeresregionen müsse die Nutzung der maritimen Ressourcen besser koordiniert und stärker begrenzt werden: „Im Moment gleichen Meere und Küsten noch immer einem Selbstbedienungsladen, wo jeder nach Gusto zugreift – im Zweifel auch gegen geltende Gesetze“, kritisiert Lutter. Als Beispiel nennt der WWF-Experte den massiven illegalen Fischfang der EU-Flotte auf den Roten Tunfisch im Mittelmeer und die Zerstörung von Kaltwasserkorallenriffen durch die Fischerei mit Bodenschleppnetzen im Atlantik.  

 

Der mangelnde Respekt vor den maritimen Lebensräumen zeige sich auch an der deutschen Küste, kritisiert der WWF. Die geplanten Ölbohrungen im Nationalpark Wattenmeer seien unakzeptabel. Auch in der Hafenpolitik koche bislang jeder sein eigenes Süppchen. Durch weitere Vertiefungen für die größten Containerschiffe der Welt drohe die Zerstörung der ökologisch wertvollen Flussmündungen von Elbe und Weser. Die Bundesländer müssten in der Hafenpolitik kooperieren und sich auf einen gemeinsamen Tiefwasserhafen einigen, um Elbe und Weser zu retten, fordert der WWF.

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