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Natura 2000 erreicht Etappenziel

20. November 2006

Europaweite Studie hält den EU-Staaten den Spiegel vor

 

Berlin/Brüssel, 20.11.2006 - Die Umweltstiftung WWF hat heute eine Studie vorgestellt, die erstmals den Stellenwert des Naturschutzes in Europa unter die Lupe nimmt. Untersucht wurde die Umsetzung des Europäischen Schutzgebietesnetzes Natura 2000 in allen 25 Mitgliedsstaaten der EU sowie Bulgarien und Rumänien. Kein Land hat demnach bei der Umsetzung von Natura 2000 alle Hausaufgaben erfüllt. Deutschland zählt immerhin zu den Ländern, die drei Viertel ihrer Aufgaben umgesetzt haben. In diese Gruppe reihen sich Estland, Finnland, Litauen und Schweden ein. Um 100 Prozent zu erreichen, müssen in den nächsten Jahren in Deutschland erhebliche Anstrengungen unternommen werden.

 

„Die finanzielle Ausstattung für Natura 2000 Gebiete lässt leider zu wünschen übrig“, so Martina Fleckenstein von der Umweltstiftung WWF. Der von der EU vorgesehene integrative Ansatz, das heißt  eine Finanzierung der Umsetzung von  Natura 2000 aus allen bestehenden EU-Fonds, sei nur in wenigen Bundesländern in ausreichender Form vorgesehen. Nach den WWF und dem an der Studie beteiligten Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) vorliegenden Informationen, hat sich die Mehrheit der Bundesländer für eine Finanzierung aus dem knapp bemessenen Fonds für ländliche Entwicklung (ELER) entschieden. Die mit deutlich größerem Budget ausgestatteten Strukturfonds werden nur selten hinzugezogen. Das sei bedauerlich, da sie hervorragende Möglichkeiten böten, um Tourismus und Umweltbildung in Natura 2000 Gebieten zu stärken. „Die Schutzmaßnahmen in Natura 2000-Gebieten können nur dann in Kooperation mit der Land- und Forstwirten umgesetzt werden, wenn ausreichend Mittel dafür bereit stehen. Da sind in vielen Bundesländern noch erhebliche Nacharbeiten erforderlich um den europäischen Verpflichtungen nachzukommen“, so Wolfram Güthler vom DVL.

 

Der WWF-Vergleich basiert auf einer Befragung von Naturschutzorganisationen in den  Mitgliedsstaaten der EU. Mit standardisierten Fragebögen wurde nach der Ausweisung von Schutzgebieten ebenso gefragt wie nach den nötigen Gesetzgebungsverfahren und dem Aufbau eines Schutzgebietsmanagements. Generell ist der WWF mit der Ausweisung der Gebiete zufrieden, der allerdings erst nach massivem Druck der Europäischen Kommission und des Europäischen Gerichtshofes zu Stande kam. Allerdings sei damit erst ein Etappenziel erreicht. „Wir müssen dafür sorgen, die Schutzgebiete nicht nur auf dem Papier existieren. Es gilt das Konzept mit Leben zu füllen“, betont Martina Fleckenstein und weist gleichzeitig darauf hin, dass eine engere Koordination und Kooperation zwischen den Entscheidungsträgern erfolgen müsse. Dennoch zieht der WWF insgesamt eine positive Bilanz: „Europa ist auf dem richtigen Weg.“ Wichtig sei es künftig die Naturschutzpolitik mit anderen Politikfeldern wie der Landwirtschafts- oder Verkehrspolitik stärker zu verzahnen.

 

Mit dem Natura 2000 Netzwerk will die EU das Artensterben stoppen. Doch bis zur Umsetzung ist es noch ein langer Weg. Europaweit gesehen bestehen die gravierenden Schwachstellen vor allem in der Informationspolitik, der Umsetzung in nationale Gesetzgebung und Verordnungen sowie dem Management und der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen in den Natura 2000 Gebieten. Während die neuen EU-Mitgliedsländer recht gute Ergebnisse aufweisen, gibt es in Belgien, Dänemark, Griechenland und den Niederlanden noch erhebliche Defizite.

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