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Stand: 10.05.2016

Welcome back, Wolf!

Erfolge von Vogelschutz- und FFH-Richtlinie in Deutschland

Der Wolf kehrt zurück © Wild Wonders of Europe / Gorshkov / naturepl
Der Wolf kehrt zurück © Wild Wonders of Europe / Gorshkov / naturepl

Wölfe ziehen ihre Jungen in der sächsischen Lausitz groß,  Wildkatzen streifen durch den Thüringer Wald, Kraniche, Schwarzstörche und Kiebitze nisten im Drömling und im Greifswalder Bodden tauchen wieder Kegelrobben. In den vergangenen Jahrzehnten sind Tierarten nach Deutschland zurückgekehrt, mehrere stark dezimierte Bestände haben sich erholt. Einen wichtigen Anteil daran hatten die Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und die damit verbundene Unterschutzstellung von Natura 2000-Gebieten. Dennoch bleibt für den Naturschutz noch viel zu tun.

„Die Artenvielfalt hat hierzulande sehr von den  europäischen Naturschutzrichtlinien und den entsprechenden deutschen Gesetzen profitiert“, sagt Moritz Klose, Referent Wildtiere Deutschland und Europa beim WWF, „es gibt viele Erfolgsgeschichten.“ Eine erzählt von der Rückkehr der Kegelrobbe an die deutsche Ostseeküste. „Die Bestände hatten in den 1980er Jahren einen Tiefpunkt erreicht, verursacht unter anderem durch die Jagd und zahlreiche Giftstoffe im Wasser“, so Klose, „heute werden immer wieder Kegelrobben gesichtet, im Greifswalder Bodden leben etwa 30 Tiere und zu Spitzenzeiten – wenn der Hering laicht – können bis zu 80 Tiere gezählt werden.“ Der Wildtierreferent weiß das so genau, weil der WWF vor Ort beim Monitoring mitarbeitet. „Zusätzlich suchen wir den Dialog mit der Fischerei, um Konflikte möglichst schon im Vorfeld auszuräumen und weitere Schutzmaßnahmen vorzubereiten. Zentral für die Rückkehr des größten deutschen Raubtiers waren insbesondere ein Verbot der Jagd und die Reduzierung der Schadstoffe in den Zuflüssen der Ostsee. „Wichtig für die kontinuierliche Erholung der Bestände in Nord- und Ostsee ist aber auch die Ausweisung von marinen Schutzgebieten, wie sie durch die Naturschutzrichtlinien gefordert wird“, sagt Moritz Klose, „leider ist der Vollzug mancherorts mangelhaft, hier gibt es noch viel zu tun.“

Luchs im Nationalpark Bayerischer Wald © Ralph Frank / WWF
Luchs im Nationalpark Bayerischer Wald © Ralph Frank / WWF

Große Gebiete zum Herumstreifen

Drei weitere Arten, die sich in Deutschland wieder deutlich wohler fühlen sind der Wolf, der Luchs und die Wildkatze. Sie streifen viel umher und profitieren auch von zusammenhängenden Natura 2000-Gebieten. „Alle drei brauchen größere Gebiete, der Wolf etwa ist auf einer Fläche von mehreren hundert Quadratkilometern unterwegs“, erklärt Klose, „für die Wildkatzen, von denen es inzwischen wieder zwischen 3.000 und 5.000 in Deutschland gibt, so etwa im Thüringer Wald, im Harz und in der Eifel, sind die miteinander verbundenen Waldlebensräume besonders bedeutend. Auch der Luchs ist auf große, zusammenhängende Wälder angewiesen. Die Wandermöglichkeiten sind zum Beispiel wichtig, damit die Tiere neue Lebensräume erschließen können und Kontakt zu anderen Vorkommen haben.“ Alle drei Arten sind im Anhang IV der FFH-Richtlinie enthalten und damit streng geschützt  – mit Erfolg: „150 Jahre lang gab es hierzulande keine Wölfe, jetzt kommen sie zurück. 40 Paare leben bereits wieder in Deutschland, das wäre ohne die strengen Naturschutzgesetze und das damit verbundene Jagdverbot nicht möglich gewesen.“

Feuchtgebiete für Vögel, Biber und Fischotter

Von den EU-Richtlinien profitieren auch viele Vogelarten, so etwa der Seeadler, der Schwarzstorch und der Kranich. „Alle diese Arten sind in Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gelistet und damit besonders geschützt“, sagt der Wildtierreferent, „ihre Bestände entwickeln sich besser als die jener Arten, die nicht im Anhang I aufgeführt sind.“ Denn: Ist eine Vogelart im Anhang I der Richtlinie enthalten, müssen die Mitgliedstaaten besondere Schutzmaßnahmen ergreifen, etwa die wichtigsten Brut-, Rast- und Überwinterungsplätze als Vogelschutzgebiete ausweisen. Die Zahl der Kraniche etwa war in Deutschland stark zurückgegangen, erholte sich aber wieder: Der Bestand der Tiere hat in den vergangenen 25 Jahren um 400 Prozent zugenommen.

Seeadler in der Feldberger Seenlandschaft © Ralph Frank / WWF
Seeadler in der Feldberger Seenlandschaft © Ralph Frank / WWF

Verantwortlich dafür sind unter anderem Vogelschutz- und FFH-Gebiete, in denen der Kranich nun wieder die Bedingungen findet, die er für die Fortpflanzung braucht. „Der Kranich hat seine Brutplätze meist in feuchten Wäldern, die er nun wieder vermehrt findet – unter anderem im Drömling und an der mittleren Elbe, wo auch der WWF Renaturierungsmaßnahmen umsetzt.“ Eine Arbeit, die auch anderen Arten zu Gute kommt: „Die Bestände von Bibern und Fischottern, die ebenfalls auf Feuchtgebiete angewiesen sind, haben sich ebenfalls erholt“, sagt Moritz Klose, „inzwischen leben hierzulande wieder ungefähr 20.000 Biber.“

 

Immer noch viel zu tun

Trotz aller Erfolge betont der Experte vom WWF: Es gibt noch viel zu tun. Bei manchen Arten ist es schon ein Erfolg, wenn die Bestände stabil bleiben. Nur 20 Prozent der in Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützten Arten haben derzeit den von der EU geforderten „günstigen“ Erhaltungszustand. „Es gibt ein klares Umsetzungsdefizit“, so Klose, „bei 30 Prozent der Arten wird der Erhaltungszustand zudem als „schlecht“ beurteilt.“ Wölfe, Luchse oder Kegelrobben sind noch nicht über dem Berg. „Wenn sie nicht weiter durch die EU-Richtlinien geschützt werden, sind sie womöglich ganz schnell wieder weg.“ sagt der Wildtierreferent.


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