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Stand: 23.11.2016

Mineralölrückstände im Adventskalender von Netto Marken-Discount

Adventskalender von Netto Marken-Discount
Adventskalender

Vorweihnachtszeit ist Adventskalenderzeit. Das brachte Netto Marken-Discount auf eine Idee: Jeden Tag eine besondere Tierart aus feiner Bio- und Fairtrade-zertifizierter Schokoloade. Vom Panda über den Eisbär bis hin zum wenig bekannten Nebelparder. So schafft der Kalender ein Bewusstsein, dass es sehr viel mehr Arten gibt, die unseres Schutzes bedürfen, als allgemein bekannt ist. Der WWF Deutschland unterstützte den Kalender „Santa Claus in Town“ mit Informationen zu den jeweiligen Arten und sollte pro verkauften Kalender 1 EUR erhalten, der Artenschutzprojekten zugutekommt.

Um zu verhindern, dass Mineralölrückstände z.B. aus Recyclingmaterial oder Transportverpackungen in die verarbeitete Schokolade im Kalender übergehen, hat Netto Marken-Discount eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Die Pappverpackung besteht aus Frischfaser, die verwendeten Druckfarben sind frei von Mineralöl, die Schokoladenstücke sind einzeln mit einer Schutzfolie aus Aluminium und einer weiteren Papierverpackung umwickelt.

Bayerisches Landesamt für Lebensmittelsicherheit bestätigt Stichprobe vom WWF

Anfang November hat der WWF einen einzelnen Adventskalender in einem Laden gekauft und die enthaltene Schokolade von einem unabhängigen Labor analysieren lassen. Wir wollten sicher gehen, dass die Schutzmaßnahmen zur Vermeidung einer Migration von Mineralölrückständen aus der Verpackung auf die Schokolade greifen.

In der vom WWF beauftragten Stichprobe konnten Mineralölrückstände in der Schokolade nachgewiesen werden. Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat nun Mineralölrückstände nachgewiesen. Das Amt hat bereits in den vergangenen Jahren Adventskalender untersuchen lassen, darunter auch den Adventskalender von Netto Marken-Discount. Die diesjährigen Analysen des Landesamts bestätigen das Ergebnis unseres unabhängigen Tests: Die Werte für die Mineralöl-Kohlenwasserstoffe MOSH und MOAH liegen über jenen Grenzwerten, die der Verordnungsentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für den Übergang von Mineralölrückständen aus Verpackungen in Lebensmittel formuliert. Das LGL schreibt auf seiner Webseite zu den Ergebnissen seiner diesjährigen Untersuchung:

„Die gefundenen MOSH-Konzentrationen in den Schokoladen führen nach einer toxikologischen Einschätzung zu keiner Gesundheitsgefährdung. (…) Der Verzehr von Adventskalenderschokolade gibt auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse nach Auffassung des LGL keinen Anlass zur Besorgnis.“

Fragen & Antworten

Aus welchem Material besteht der Kalender und welche Schokolade steckt drin?
Der Kalender besteht aus FSC zertifizierter Frischfaser-Kartonnage. Die Schokolade ist sowohl Bio- als auch Fairtrade zertifiziert.


Mineralölrückstände in Lebensmitteln – ist das neu?
Nein. In den vergangenen Jahren ist die Diskussion über Mineralölrückstände in Lebensmitteln intensiv geführt worden. Bei diesen Rückständen handelt es sich um gesättigte bzw. aromatische Kohlenwasserstoffe (MOSH/MOAH). Diese kettenförmigen Kohlenwasserstoffe sind toxikologisch nicht ausreichend untersucht. Derzeit können Toxikologen auch ein Krebs erzeugendes Potenzial nicht ausschließen. Vorsorglich sollte die Aufnahme von Mineralölrückständen über Lebensmittel aus Sicht des WWF daher vermieden werden.


Wie lauten die rechtlich verbindlichen Grenzwerte?
Es gibt bisher keine rechtlich verbindlichen Grenzwerte für Mineralölrückstände in Lebensmitteln. Eine Orientierung bieten jene Werte, die im Entwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung (Entwurf BedGgstV) hinsichtlich des möglichen Übergangs aus der Verpackung von MOAH und MOSH auf Lebensmittel durch Lebensmittelbedarfsgegenstände derzeit vorgeschlagen werden: Für MOAH ein Wert unterhalb der Nachweisgrenze (< 0,5 mg/kg) und für MOSH ein Wert von < 2,0 mg/kg.


Wusste der WWF, dass der Kalender eventuell mit Mineralölrückständen belastet sein könnte?
Nein. Uns war vielmehr bewusst, dass Netto Marken-Discount bei der Ausgestaltung des Adventskalenders sehr viel Sorgfalt darauf verwendet hat, um eine Migration von Mineralölen auf die Schokolade nach der Produktion zu verhindern bzw. zu minimieren: Die Pappverpackung ist aus Frischfaser, die verwendeten Druckfarben sind frei von Mineralöl, die Schokoladenstücke sind einzeln mit einer Schutzfolie aus Aluminium und einer weiteren Papierverpackung umwickelt. Diese Maßnahmen sollten verhindern, dass z.B. aus Recyclingmaterial Mineralölrückstände in die verarbeitete Schokolade im Kalender übergehen – auch nicht beispielsweise aus Transportverpackungen. Der WWF begrüßt diese Vermeidungsmaßnahmen ausdrücklich, obwohl sie – mit Blick auf den Verbrauch von Rohstoffen und Verpackungsmaterial – für uns nicht ideal sind.


Was hat der WWF getan, um die Schutzmaßnahmen zu überprüfen?

Um zu überprüfen, dass die vorgenommenen Schutzmaßnahmen greifen, haben wir Anfang November einen einzelnen Adventskalender aus einem Laden erworben und die darin enthaltene Schokolade von einem unabhängigen Labor analysieren lassen. Die Ergebnisse gibt es hier. Sie überschreiten die vom BMEL vorgeschlagenen Werte hinsichtlich eines möglichen Übergangs aus der Verpackung in das Lebensmittel bei MOAH und MOSH. Die am 23. November veröffentlichten Analysen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Landesamts bestätigen das Ergebnis des unabhängigen Tests des WWF: Die Untersuchung des Landeamtes weist MOSH in der Schokolade nach. In geringen Konzentrationen ist außerdem MOAH nachweisbar. Wir sehen Netto Marken-Discount in der Verantwortung, auf das vorliegende Ergebnis angemessen und im Sinne der Verbraucher zu reagieren. Aus dem Verkauf erzielte Erlöse, die eigentlich WWF-Artenschutzprojekten zugutekommen sollten, nehmen wir nicht in Anspruch.

Wie kommen Mineralölrückstände in die Schokolade?

Bei den nachgewiesenen Rückständen handelt es sich um gesättigte bzw. aromatische Kohlenwasserstoffe. Die European Food Safety Authority (efsa) stellt in einer Studie von 2012 fest, dass Mineralölrückstände dieser Art in nahezu allen untersuchten Lebensmitteln nachgewiesen wurden. Derzeit können Toxikologen für aromatische Kohlenwasserstoffe ein Krebs erzeugendes Potenzial nicht ausschließen, da diese kettenförmigen Kohlenwasserstoffe bislang nicht ausreichend untersucht worden sind. Vorsorglich sollte die Aufnahme von Mineralölrückständen über Lebensmittel aus Sicht des WWF daher vermieden werden. Rechtlich verbindliche Grenzwerte für Mineralölrückstände in Lebensmitteln gibt es bislang jedoch nicht.

Dass Mineralölrückstände aus der Verpackung in Lebensmittel übergehen können, ist seit langem bekannt; das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat auf seiner Webseite entsprechende Informationen für Verbraucher zusammengestellt.

Hersteller, Handel und Verbraucher allein können das Problem nicht lösen – die Politik ist gefragt

Der WWF sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, verbindliche Grenzwerte für die Belastung von Lebensmitteln festzulegen. Denn Mineralölrückstände werden in einer Vielzahl von Lebensmitteln nachgewiesen. Allerdings werden Grenzwerte und Vorsorgemaßnahmen allein das Problem nicht lösen. Es muss an der Wurzel angepackt werden: Das sind die bekannten Haupteintragsquellen von Mineralölen entlang der Lieferkette, z.B. bei Anbau, Ernte und Produktion durch Maschinenöle oder durch den Übergang von Mineralölrückständen aus Verpackungen auf die Lebensmittel. So ist seit vielen Jahren bekannt, dass die von Zeitungen eingesetzte Druckerfarbe eine der Hauptquellen für Mineralölrückstände in Recyclingkartons ist und Lebensmittel belastet. Daher gehört das Problem auf die politische Agenda und kann nicht allein von Verbrauchern, Herstellern und dem Handel gelöst werden.

Der WWF wird weiter an der Reduzierung der Haupteintragsquellen für Mineralrückstände in Lebensmitteln arbeiten. Bereits seit 2012 setzt sich der WWF daher beispielsweise für die Verwendung weniger gesundheitsgefährdender Druckfarben ein. 

Wir sehen Netto Marken-Discount in der Verantwortung, auf das vorliegende Ergebnis angemessen und im Sinne der Verbraucher zu reagieren. Aus dem Verkauf erzielte Erlöse, die eigentlich WWF-Artenschutzprojekten zugutekommen sollten, nehmen wir nicht in Anspruch.

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