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Neue Ölförderung bedroht Nationalparks

14. März 2007

WWF kündigt Widerstand gegen „Industriepark Wattenmeer“ an

 

Husum/Hamburg - Der WWF fordert den Energiekonzern RWE Dea auf, auf die angekündigten Ölbohrungen im Nationalpark Wattenmeer zu verzichten. „Auch die Industrie muss endlich lernen, Nationalparks zu akzeptieren. Das Wattenmeer wird schon heute durch Hafenbauten, Flussvertiefungen, Schiffsverkehr, Fischerei  und Schadstoffe stark beansprucht. Der WWF wird nicht akzeptieren, dass dieser einzigartige Lebensraum aufs Spiel gesetzt wird“, so Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros in Husum. Die Naturschützer fordern die Landesregierungen in Kiel, Hamburg und Hannover auf, allen neuen Absichten zur Ölförderung im Wattenmeer entgegen zu treten und sich klar zu ihren Nationalparks zu bekennen. „Wir hoffen, dass die Bohrungen politisch verhindert werden können. Notfalls wollen wir aber auch die rechtlichen Möglichkeiten hierfür prüfen“, so der WWF  

 

Der WWF kritisiert den mangelnden Respekt vor den Wattenmeer-Schutzgebieten. „Es würde einen riesigen Aufschrei geben, wenn Energiekonzerne in den Nationalparks Yellowstone, Everglades oder Serengeti Öl fördern wollten. Das Wattenmeer ist ein ebenso wertvoller Lebensraum“, so Rösner. Wenn die Pläne von RWE Dea Realität würden, führt dies die Nationalparks ins Absurde. „Es darf keine weiteren Industrieanlagen im Wattenmeer geben. Deutschland muss seine wertvollsten Naturgebiete ebenso glaubwürdig schützen, wie man es überall in der Welt in Nationalparks erwartet.“  

 

Bislang existiert bereits eine Ölforderplattform auf der „Mittelplate“ im schleswig-holsteinischen Watt. Hier werden nach Angaben der Betreiber jährlich zwei Millionen Tonnen Rohöl gefördert. Schon mit der Nationalparkgründung im Jahr 1985 wurde diese zusätzliche Bedrohung des Wattenmeeres in Kauf genommen. „Trostpflaster“ für den Naturschutz war damals die auch gesetzlich verankerte Festlegung Schleswig-Holsteins, dass es über diese Förderplattform hinaus keine weitere Ölförderung im Nationalpark geben dürfe. Auf diese Festlegung und auf die nationalen und europarechtlichen Regelungen im Naturschutz baut der WWF, wenn die Ölbohrungen nicht politisch oder durch Einsicht der beteiligten Firmen aufgehalten werden können.  

 

Die angekündigten Probebohrungen sollen offenbar im Gebiet „Knechtsand“ südwestlich von Cuxhaven in der Ruhezone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sowie vor der Dithmarscher Küste im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer stattfinden. Hier werden Ölvorkommen vermutet.

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