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NGOs stellen gemeinsame Papiervision während der 'Paper World” vor

27. Januar 2006

 

Frankfurt a.M., 27. Januar 2006 - Eine Koalition aus fast 50 Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) aus 21 Ländern stellt heute ihre Gemeinsame Vision für einen Wandel der Papierindustrie in Europa vor. Diese Präsentation findet während der Paper World, der internationalen Messe für den Papierhandel in Frankfurt statt. Es ist das erste Mal, dass sich NGOs europaweit zu Themenkomplex Papier zusammengeschlossen haben.

 

 

 

Auf lange Sicht stellen sich die NGOs ein künftiges Europa vor, in dem 50 Prozent weniger Papier verbraucht wird, produziert von einer Industrie, die weniger abhängig von Primärfasern aus Holz ist, die Recycling-Material maximal nutzt, die die Artenvielfalt schützt, die die Landrechte der Bevölkerung vor Ort respektiert, die für Arbeitsplätze sorgt und die soziale Verhältnisse schafft, die nutzbringend, konfliktfrei und gerecht sind. 'Wir wünschen uns ein Europa, dessen Papier aus verantwortungsvoller und nachhaltiger Waldwirtschaft stammt und ausschließlich unter Nutzung erneuerbarer Energien hergestellt wurde, mit Wasser, das am Ende der Papierproduktion noch so sauber wie zuvor ist. Eine Papierherstellung, die auf dem Konzept von 'zero waste' und 'zero emissions' (Null-Abfall und Null-Schadstoffemissionen) beruht,' so steht es in der Vision. Sie beinhaltet außerdem eine Agenda für die kommenden zehn Jahre, in der die Mindestanforderungen aufgeführt sind, die die NGOs für erforderlich halten, um die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen weltweit zu reduzieren.

 

 

 

Die NGOs appellieren an die Papierindustrie, sich den in der Vision genannten Herausforderungen zu stellen und schnellstmögliche Maßnahmen zu ergreifen, um ihren Verbrauch und ihre Abhängigkeit von Primärfasern zu reduzieren, ihre soziale Verantwortung sicher zu stellen, Zellstofffasern verantwortungsvoll zu gewinnen und saubere Produktionsverfahren zu gewährleisten.

 

 

 

Die gemeinsame Vision erleichtert es den NGOs, sich bei der Arbeit gegenseitig zu unterstützen und gleichzeitig den Stil und Herangehensweisen jeder einzelnen beteiligten NGO zu respektieren. Die NGOs werden in den kommenden Jahren auf die gemeinsamen Ziele der Vision hinarbeiten.

 

 

 

Die Vision betont die besondere Verantwortung der Papierindustrie, ihre Produktion und ihren Ressourcenverbrauchs sowohl in Europa als auch in der übrigen Welt zu verändern - hin zu Verfahren, die ökologisch und sozial verantwortlich sind. 'Die Europäer verbrauchen viermal mehr Papier als der weltweite Durchschnitt und sie importieren eine riesige Menge an Zellstoff und Papier aus bedrohten Wäldern in aller Welt, aus Indonesien, Kanada, China, Chile und zahlreichen weiteren Regionen. Aufgrund ihres Papierverbrauchs und ihrer Papierproduktion haben die Europäer eine globale Verantwortung', sagt Jim Ford, Direktor von ForestEthics.

 

 

 

'In Europa gibt es nur noch wenige natürliche Wälder. Industrie und Regierungen müssen sich dort für den Schutz wertvoller Wälder einsetzen, wo es noch etwas zu retten gibt. Sie müssen sich für eine höchst verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung einsetzen, so wie es in der Vision beschrieben ist', so Otto Miettinen, Waldreferent bei Friends of the Earth Finland.

 

 

 

'Durch übermäßigen Konsum werden die negativen Auswirkungen der Papierproduktion auf die Umwelt und auf die Lebensgrundlagen von Menschen weltweit verstärkt. Deshalb muss die Papierindustrie jetzt handeln', so Lydia Bartz, Waldreferentin bei urgewald.

 

 

 

'Urwälder werden vernichtet, nur damit europäische Papierunternehmen ganz alltägliche Produkte wie Zeitungen, Zeitschriften und Toilettenpapier herstellen und an eine nicht ausreichend informierte Kundschaft verkaufen', sagt Gavin Edwards, Koordinator der weltweiten Waldkampagne bei Greenpeace International. 'Die heute publizierte Vision ist der Aufruf an die Zellstoff- und Papierunternehmen, ihr Handeln zu korrigieren und damit zu beginnen, Verbraucher mit Produkten zu versorgen, die diese Wälder schützen, und nicht mit solchen, die sie zerstören.'

 

 

 

'Es gibt derzeit einen Trend der globalen Papierindustrie, in großflächige Monokultur-Baumplantagen im Süden zu investieren, die dann häufig massive soziale und ökologische Probleme verursachen. Die lokale Bevölkerung kämpft überall in der Welt gegen solche Großplantagen. Das ist der Grund, weshalb ROBIN WOOD diese nicht als eine nachhaltige Form für eine Zellstoffgewinnung betrachtet. Die Papierindustrie muss verantwortungsvoll handeln,' sagt Peter Gerhardt, Tropenwald-Referent bei ROBIN WOOD.

 

 

 

'Wälder sind für die Arbeit des WWF zum Erhalt der Artenvielfalt von vorrangiger Bedeutung, und die Forstindustrie spielt eine wichtige Rolle, uns beim Erreichen unserer Ziele zu unterstützen', sagt Duncan Pollard, Direktor des Global Forest4Life Programms bei WWF International. 'Die Papierindustrie ist traditionell innovativ und hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie in der Lage ist, wichtige und gesellschaftlich relevante Fragen zu thematisieren. Der WWF hat schon immer mit Unternehmen zusammen gearbeitet, die bereit sind, ihre Praxis zu verbessern und ein firmenweit vorbildliches Handeln bei den in der Vision genannten Themen erkennen lassen.'

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