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Nicht auf Erholungskurs: Kabeljau in der Nordsee

30. Juni 2010

WWF warnt: Verschwenderische Fischerei gefährdet Wiederaufbau des Bestandes

 

Hamburg - Keine Entwarnung für den Kabeljau der Nordsee. Jüngste wissenschaftliche Daten zeigen zwar eine leichte Erholung des Bestandes, dennoch empfiehlt der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES), die Fangmengen im kommenden Jahr um 20 Prozent zu verringern, um den langfristigen Wiederaufbau  nicht zu gefährden. Der WWF stellt dem Management der Kabeljau-Fischerei ein schlechtes Zeugnis aus: In den vergangenen Jahren sei es nicht gelungen, die systematische Verschwendung von Kabeljau durch Fischereipraktiken wirksam einzudämmen.  

 

Im Jahr 2009 wurden in der Nordsee fast 15.000 Tonnen Kabeljau zunächst gefangen und dann ungenutzt als Müll ins Meer zurückgeworfen. Der Grund für die Rückwürfe: Die Quoten der Fischer waren bereits ausgeschöpft oder die gefangenen Jungtiere zu klein, um sie zu vermarkten. „Diese immense Verschwendung von Fisch ist wirtschaftlicher und ökologischer Irrsinn - und er ist vermeidbar “, sagt Karoline Schacht, WWF Fischereiexpertin. „Selektive Fanggeräte müssen ab dem ersten Tag der Fangsaison Pflicht werden, damit der unnötige Raubbau auch am Nachwuchsjahrgang zurückgeschraubt wird.“ Bislang sind auf die eigentliche Zielart abgestimmte Fanggeräte erst vorgeschrieben, wenn bereits 90 Prozent der Kabeljauquoten eingefahren sind. Als weitere Ergänzungen des langfristigen Managementplans für den Kabeljau fordert der WWF zudem die temporäre Schließung von Fanggebieten mit hohem Jungfischaufkommen sowie den obligatorischen Einsatz von Bord-Kameras, die eine Kontrolle über den Fang ermöglichen. „Es muss endlich überwacht werden, was tatsächlich aus dem Meer gezogen wird“, fordert Schacht. Derzeit würde die Einhaltung von Fangquoten erst bei der Anlandung kontrolliert.  

 

Auch den Heringsfischern in Nord- und Ostsee drohen düstere Zeiten. Eine Verringerung der Herings-Fangmenge um mehr als 30 Prozent für den Bestand der westlichen Ostsee scheint nach Berechnungen der Wissenschaftler erforderlich. Innerhalb von vier Jahren hat sich damit die erlaubte Fangmenge auf diesen zwischen Nord- und Ostsee hin und her wandernden Bestand halbiert.

 

„Entgegen den Empfehlungen der Wissenschaftler sind die Quoten in den letzten Jahren nur moderat gekürzt worden, damit wurde offensichtlich der Schonungsbedarf des Bestandes verfehlt“, sagt Karoline Schacht, Fischereiexpertin beim WWF. “Die Fischereipolitik muss ihren Kurs stärker an Forschungsergebnissen ausrichten.“ Derzeit sei die betroffene Heringsfischerei etwa doppelt so hoch wie nachhaltig wäre. Gleichzeitig ist die Heringspopulation auf einem historischen Tiefstand. Der WWF fordert dringend einen langfristigen Wiederaufbauplan für den Ostseehering, der die besonderen Empfindlichkeiten berücksichtigt.  

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