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Nord- und Ostsee als Schiffsautobahn?

30. September 2008

WWF kritisiert Plan für Meeres-Raumordnung: Naturschutz nur als Feigenblatt.

 

Der WWF übt deutliche Kritik an dem vom Bundesamt für Seeschifffahrt (BSH) vorgelegten Plan zur Raumordnung in Nord- und Ostsee. Anlässlich der ersten Anhörung zu dem Entwurf am heutigen Dienstag in Rostock erklärt WWF-Experte Uwe Johannsen: „Statt zwischen Umwelt- und Wirtschaftsinteressen zu vermitteln, räumt die Behörde der Schifffahrt und anderen Nutzungen absoluten Vorrang ein. Die ökologische Krise der deutschen Meere kann so nicht gelöst werden.“

 

Mit dem Raumordnungsplan will Deutschland als eines der ersten Länder in Europa einen Rahmen für die Meeresnutzung jenseits der 12- Seemeilen-Zone – der so genannten „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ – schaffen. An dem Konzept hat das BSH drei Jahre lang in enger Abstimmung mit der Bundesregierung gearbeitet. Das Papier sollte ursprünglich wirtschaftliche Eingriffe und Umweltschutz besser koordinieren und Konflikte mindern. Denn spätestens mit dem Bau der geplanten Offshore-Windparks und dem zunehmenden Schiffsverkehr wird es eng auf dem Meer. Gleichzeitig wurden viele Meeresregionen als europäische Schutzgebiete ausgewiesen. „Derzeit herrscht ein großes Kuddelmuddel auf See. Ein Raumordnungsplan ist längst überfällig. Aber mit dem vorliegenden Papier bekommt man den Wildwuchs nicht in den Griff“, so der WWF-Experte.

 

So könnte durch die Bündelung von Schifffahrtslinien die Sicherheit erhöht und die Umwelt deutlich entlastet werden. Derzeit verlaufen mehrere der vom BSH festgelegten Schifffahrtsrouten fast parallel mitten durch ein Schutzgebiet. Die Behörde habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Folgen für die Natur auch nur zu prüfen. „Ein Nachdenken über intelligente Verkehrsführungen auf See findet leider nicht statt“, kritisiert Johannsen.

 

Nach dem vorliegenden Entwurf würden Schweinswale und Millionen Zug- und Seevögel unnötig beeinträchtigt, weil die Industrie auch weiterhin ungehindert in Schutzgebieten agieren dürfe. Als besonders eklatant beurteilt der WWF die Tatsache, dass der BSH-Plan der Zerstörung wertvoller Lebensräume durch den Sand und Kiesabbau im Schutzgebiet Sylter Außenriff keinen Riegel vorschiebt. Das Problem werde einfach ausgeklammert.

 

Auch vor dem Hintergrund der anstehenden Meeresdebatte in der Bundesregierung sei das wirtschaftslastige BSH-Konzept verwunderlich, so der WWF. Am Mittwoch diskutiert das Kabinett erstmals über eine Strategie für die nachhaltige Nutzung und den Schutz der Meere. „Wenn es Frau Merkel mit Nachhaltigkeit und Meeresschutz ernst ist, dann muss auch dieser Raumordnungsplan umfassend verändert werden“, so Johannsen. Einen positiven Aspekt hat der WWF allerdings doch noch im entdeckt: Neue Windparks sollen künftig nur noch innerhalb von verbindlich ausgewiesenen Eignungsgebieten genehmigt werden. Dies sei eine sehr sinnvolle Regelung, loben die Umweltschützer.

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