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Nordergründe: Windpark am falschen Ort

19. Dezember 2006

Ostfriesische Inseln, WWF und BUND befürchten erhöhtes Risiko einer Ölpest

 

Oldenburg/Hamburg, 19.12.2006: WWF, BUND und die sieben ostfriesischen Inselgemeinden lehnen den Bau des Offshore-Windparks am Standort Nordergründe ab. Dies betonte das Bündnis am Dienstag während einer Anhörung zu diesem Windpark in Oldenburg. Umweltverbände und Inselbürgermeister befürchten ein erhöhtes Ölpestrisiko durch mögliche Schiffskollisionen mit den Windrädern. „Die Gefahr am Rande des Nationalparks Wattenmeer ist viel zu groß. Nicht auszumalen, wenn ein Unfall dort eine Ölpest auslöst. Dies wäre eine Katastrophe für Mensch und Natur an der Nordseeküste“, betonten Umweltverbände und Inselgemeinden. Sie fürchten, dass die Auswahl des Standortes das Ansehen einer im Prinzip erwünschten Technik gefährden könnte.

 

Die Nähe des geplanten Windparks zu viel befahrenen Schifffahrtsstraßen berge ein erhebliches Unfallrisiko. Als einziger der geplanten Meereswindparks würde Nordergründe den sonst üblichen Mindestabstand zum Schiffsverkehr nicht einhalten. Falschfahrer oder durch technische Ausfälle treibende Schiffe – wie zuletzt der Frachter „Cementina“ am 1. November – könnten in den Windpark geraten, bevor ein Notschlepper sie aufhalten könne. Auch die Navigation werde schwieriger, weil der Windpark zu Sichtbehinderungen für Schiffe führen könne. Statistisch drohe nach einem für die Inselgemeinden erstellten Gutachten etwa alle 25 Jahre eine Kollision.

 

 „Wir sind für eine naturverträgliche Entwicklung der Offshore-Windenergie. Aber der Standort Nordergründe ist aus Sicht des Naturschutzes unverantwortlich“, erklärte WWF-Expertin Beatrice Claus. Der Windpark stelle eine erhebliche Barriere für den Vogelzug dar. Jedes Jahr ziehen zahlreiche Zugvögel auf Höhe der Rotoren vorbei. Der Windpark liege in einem Gebiet, das als Nahrungs-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Sterntaucher von internationaler Bedeutung sei. Bis weit in den Nationalpark hinein sei für diese mit einem Lebensraumverlust von 35 Quadratkilometern zu rechnen. Auch Eider- und Trauerenten kommen in großer Anzahl vor. Durch Isolierung ihrer Brutplätze von den Nahrungsräumen sei auch die geschützte Brandseeschwalbe gefährdet.

 

Für den Windpark am vorgesehenen Standort gebe es keine überzeugenden Gründe, zumal die Landesregierung dort nur so genannte Erprobungswindparks zulassen wolle. Nordergründe sei überflüssig, weil die antragstellende Firma bereits seit 2004 eine Genehmigung für einen Windpark in der weiter seewärts gelegenen „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ erhalten habe. Dort solle die eigentliche Entwicklung der Offshore-Windenergie stattfinden und hier sei auch die Erprobung möglich. „Wir sehen die Zulässigkeit des Vorhabens als nicht gegeben an. Sollte die Behörde den Windpark dennoch genehmigen, werden wir dies rechtlich prüfen lassen“, teilte BUND-Fachfrau Marita Wudtke mit.

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