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Nordsee: Beifang-Drama kann gestoppt werden

05. Dezember 2008

Eine Milliarde Kilogramm Meerestiere gehen über Bord. WWF-Studie zeigt Lösungen.

 

Hamburg - Das sinnlose Töten durch den so genannten Beifang in der Nordsee-Fischerei kann mit umweltschonenderen Fangmethoden drastisch eingedämmt werden. Dies geht aus einem in Hamburg veröffentlichten WWF-Report hervor. Der unabsichtliche Fang ist eine der größten Bedrohungen für viele Meeresarten. In der Nordsee werden jedes Jahr eine Milliarde Kilogramm Fisch und andere Meerestiere wie Müll behandelt und wieder über Bord geworfen. Wale, Delfine und Seevögel verenden in Fischernetzen. „Eine andere, schonende Fischerei ist möglich. Die Lösungen sind da. Es wird Zeit, dass Politiker und Fischer handeln, um die skandalöse Verschwendung zu stoppen“, fordert WWF-Expertin Karoline Schacht.  

 

In diesen Tagen wird in Brüssel und Oslo darüber verhandelt, ob die EU das bereits erfolgreich in Norwegen praktizierte Wegwerf-Verbot für Meerestiere übernimmt. In diesem Fall dürften auch europäische Trawler keinen Fisch mehr über Bord werfen. Sie müssten künftig alle Fänge mit an Land bringen Das Verbot würde zunächst nur für EU-Fischer gelten, die in norwegischen Gewässern auf Fang gehen, könnte aber später ausgeweitet werden. „Das wäre ein erster Rettungsanker für viele Fische und Meerestiere“, so Schacht. Das Wegwerf-Verbot würde den Anreiz erhöhen, Beifänge in der Fischerei zu vermeiden.  

 

Wie der WWF-Report zeigt, könnten alle Nordsee-Fischereien umweltschonender werden, wenn sie auf bessere Netze setzen würden. In der Regel würde den Fischern dadurch kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen. Der WWF listet detailliert die gut erforschten und andernorts oft schon praktizierten Alternativen zu den zerstörerischen und beifangintensive Fangtechniken auf. Oftmals würde es schon ausreichen, Netze mit größeren Maschen einzusetzen, um Jungfischen ein Entkommen zu ermöglichen – etwa in der Schollen- und Seezungenfischerei. Dort gehören bis zu 90 Prozent der gefangenen Tiere nicht zur Zielart.  

 

Insbesondere die „Killer-Netze“ der Baumkurren- und Grundschleppnetz-Fischerei müssen ersetzt oder zumindest „entschärft“ werden, fordert der WWF. Mit diesem schweren Gerät pflügen die Fischtrawler den Meeresboden um. Sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung und fangen alles, was ihnen vor die Öffnung kommt. So gehen beispielsweise für jedes Kilo Norwegischen Hummer im Schnitt 4,5 Kilo Meerestiere als Beifang ins Netz. Eine Alternative dazu sind Fallen. Vergleiche ergaben, dass die Fallenfischerei die Qualität der Fänge ebenso verbessert wie die Umweltbilanz der Fischerei.  

 

Auch der gefährdete Kabeljau könnte sich durch schlaue Netze erholen. Derzeit geht pro vermarkteter Tonne eine weitere Tonne des Fischs wieder über Bord. Zum Kabeljau-Beifang kommt es zum Beispiel beim Schellfischfang. Ein neues Netz macht sich das unterschiedliche Fluchtverhalten der Fische zu Nutze: Durch große Öffnungen im unteren Teil des Netzes entkommt der Kabeljau, während der Schellfisch sich im engmaschigeren oberen Teil verfängt. Dieses so genannte „Eliminator Netz“ ist den USA bereits Pflicht. „Für den Nordsee-Kabeljau wäre diese Neuerung ein Segen“, so Karoline Schacht.  

 

Der WWF kritisiert, dass die Fischer bisher noch zu wenig Gebrauch von den Fördertöpfen der EU machen. Brüssel stelle ausreichend Geld für die Erprobung neuer Netze bereit. „Wir brauchen einen Innovationsschub in der Fischwirtschaft. Weg von den Kahlschlag-Methoden, hin zu einer klugen, umweltschonenden Fischerei“, so Schacht.

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