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Nordseeschutz: Zu wenig und zu spät

24. März 2009

EU-Staaten beraten über neue Meeresschutzgebiete. / Neue WWF-Studie: Schutz der Nordsee noch immer mangelhaft.

 

„Europas Schutzbemühungen für seine Meere sind noch immer mangelhaft“, sagt WWF-Experte Stephan Lutter anlässlich der Veröffentlichung einer aktuellen Studie der Umweltschutzorganisation zur Ausweisung von Schutzgebieten in der Nordsee. Mit der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) sind die EU-Mitgliedsstaaten die Verpflichtung eingegangen, Lebensräume und Arten auch auf See zu schützen und Meeresgebiete in das Natura 2000 Netzwerk aufzunehmen. Doch nach WWF-Angaben hinken die meisten Staaten den  Zielvorgaben für Nordsee und Atlantik hinterher – und das, obwohl die Frist zur Umsetzung Ende 2008 verstrichen ist. Derzeit wird die Ausweisung von Meeresschutzgebieten der EU-Mitgliedsstaaten im irischen Galway auf den Prüfstand gestellt. Der WWF fordert, endlich die nach der FFH-Richtlinie definierten Gebiete in der Nordsee unter Schutz zu stellen. „Die EU-Staaten müssen ihren vertraglich geregelten Verpflichtungen nachkommen“, sagt Stephan Lutter, der für die Umweltstiftung an der Konferenz teilnimmt. Außerdem sei es höchste Zeit, auch in anderen Regionen - wie der Ostsee oder dem Mittelmeer - ein umfassendes Netz an Meeresschutzgebieten auszuweisen.

 

Die aktuelle WWF-Studie macht schädliche Fischereipraktiken, etwa den Einsatz von Grundschleppnetzen, Offshore-Anlagen, Sand- und Kiesabbau und intensiven Schiffsverkehr als größte Gefahren für das Ökosystem Nordsee aus. Der Bericht benennt außerdem all jene Gebiete, die nach den Anforderungen der FFH-Richtlinie dringend geschützt und bewahrt werden müssten. Mit Ausnahme der Bundesrepublik Deutschland, die rund 30 Prozent von Nord- und Ostsee unter Schutz gestellt hat, verfehlen alle weiteren europäischen Staaten die Natura 2000-Ziele. „Vielen Ländern fehlt offensichtlich der politische Wille oder sie geben dem wachsenden Druck der Fischerei- oder Offshore-Lobby nach“, sagt WWF-Experte Stephan Lutter.

 

So sind etwa in den ausschließlichen Wirtschaftszonen (200 Seemeilen ab der Küste) von Dänemark und Niederlande zahlreiche Riffe noch immer von den Grundschleppnetzen der europäischen Fischereiflotte bedroht. Ähnliches gilt für die britischen Gewässer, wo nur viel zu kleine Riff-Parzellen unter Schutz gestellt werden sollen. Außerdem weigert sich die britische Regierung entgegen der FFH-Richtlinie, dringend notwendige Gebiete für Delfine und Schweinswale auszuweisen. Bedroht sind nach wie vor auch weite Teile der Dogger Bank, ein submarines Hochplateau in der zentralen Nordsee. Zwar haben Deutschland und die Niederlande Teile der Dogger Bank unter Schutz gestellt, doch England und Dänemark weigerten sich bisher ihren Verpflichtungen nachzukommen.

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