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Nur Almosen für die Elbe

02. August 2007

WWF zieht fünf Jahre nach der Flut eine ernüchternde Bilanz in Sachen Hochwasserschutz

 

Frankfurt - Mehrere Menschenleben und insgesamt rund elf Milliarden Euro Schaden – das war das Ergebnis der verheerenden Elbeflut, die Deutschland im August 2002 über Wochen in Atem hielt. Die Politik auf Bundes- und Landesebene reagierte mit einem umfassenden Hochwasserschutzprogramm und stellte seither insgesamt 7,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Doch statt dem damals einhelligen Ruf nach „mehr Raum für die Flüsse“ konkrete Taten folgen zu lassen, standen der Wiederaufbau der geschädigten Infrastruktur sowie die Erhöhung der Deiche im Vordergrund. Nach Ansicht des WWF sind dadurch auch in Zukunft immense Hochwasserschäden an der Elbe zu befürchten. Zu diesem Schluss kommen die Umweltschützer aufgrund einer detaillierten Bestandsaufnahme über die Verwendung der öffentlichen Finanzhilfen, die der WWF fünf Jahre nach der „Jahrhundertflut“ von einer unabhängigen Anwaltskanzlei erstellen ließ.  

 

„Die Fluthilfegelder für die Elbe haben für den nachhaltigen Hochwasserschutz noch viel zu wenig gebracht“, resümiert WWF-Hochwasserexperte Georg Rast. Dass die Erhöhung und Verstärkung der Deiche gegenüber ihrer Rückverlegung ins Landesinnere weiterhin dominieren, wiegt nach Ansicht von Rast dabei am schwersten: „Wenn wir alle geplanten und durchgeführten Deichrückverlegungen an der Elbe zusammennehmen, kommen wir auf gerade einmal ein Prozent der einstigen Überflutungsflächen. Das ist angesichts der Milliardenschäden von 2002 nur ein Almosen für die Elbe und letztlich ein Skandal, für den die Politiker beim nächsten Hochwasser die Konsequenzen tragen müssen.“  

 

Anhand von Beispielen belegt die WWF-Studie, dass die Aspekte eines nachhaltigen Hochwasserschutzes in den vergangenen fünf Jahren stark vernachlässigt wurden. So hätten beispielsweise kaum wirksame Maßnahmen stattgefunden, die den Wasserabfluss verzögern und damit die Auswirkungen von extremen Regenfällen mindern können. Auch hätten kaum Aufforstungen in nennenswerter Größe stattgefunden, zusätzliche Überflutungsflächen seien derzeit nur in zwei Pilotprojekten angedacht. Stattdessen schreite die Neuversiegelung von Flächen in ganz Deutschland voran.  

 

Positiv bewertet Georg Rast, dass das Land Sachsen immerhin in zwei Gemeinden die Umsiedlung aus Hochwasserrisikogebieten vollzogen hat und damit weitere Flutschäden dauerhaft verhindert: In Röderau und Weesenstein wurden mehrere Dutzend Haushalte in sichere Regionen umgesiedelt.  

 

Nach Schätzungen des WWF hat der Mensch der Elbe in den vergangenen 150 Jahren nicht mehr als ein Siebtel ihrer natürlichen Überflutungsflächen gelassen – der Rest wurde zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen, Siedlungen und der öffentlichen Infrastruktur geopfert.

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