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Ölgefahr für das Donau-Delta

06. Oktober 2006

WWF: Notfallplan hat versagt. Mangelhafter Informationsfluss aus Serbien.

 

Frankfurt, 6. Oktober 2006: Der bereits seit 1997 bestehende Alarm-Plan für die Donau hat bei dem aktuellen Ölunfall an der Donau nach Ansicht des WWF völlig versagt. Anfang dieser Woche war nach aktuellen Erkenntnissen eine größere Menge Heiz- und Rohöl aus einer Ölraffinerie in Ostserbien entwichen. Doch statt die Anrainerländer Bulgarien und Rumänien am unteren Flusslauf rechtzeitig und umfassend zu informieren und so das Öl schnell und effizient aufzufangen, sei der Ölteppich ungehindert weiter geflossen, ohne dass die serbischen Behörden einen grenzübergreifenden Notfalleinsatz für die Donau eingeleitet hätten. Die aus Sicht des WWF berechtigte Forderung Rumäniens, für die entstandenen Schäden aufzukommen, wurde von Serbien abgelehnt.

 

Seit Bestehen des Donau-Alarmplans wurden bereits etwa 35 Unfälle registriert, in den meisten sei Öl im Spiel gewesen.

 

Besonders dramatisch wird es nach Ansicht der Umweltschützer, die sich seit Jahrzehnten für die Bewahrung des

 

„Man müsste eigentlich meinen, dass man in zehn Jahren genug Zeit hatte, um für den Notfall gerüstet zu sein. Aber in diesen Tagen sehen wir, dass der angebliche Frühwarnplan für die Donau nur ein sanftes Ruhekissen ohne irgendeine Wirkung ist", kritisiert WWF-Süßwasserexperte Martin Geiger das aktuelle Krisenmanagement. Bei einer rechtzeitigen Warnung durch die serbischen Behörden hätten die Anrainer an der Unteren Donau wahrscheinlich noch ausreichend Zeit gehabt, das Öl zu bekämpfen, bevor es langfristige Schäden verursacht. Dies sei nun leider sehr fraglich, so Geiger. Über die genauen ökologischen Folgeschäden sind bislang noch keine gesicherten Erkenntnisse bekannt geworden. Der WWF befürchtet allerdings, dass sich der weiter flussabwärts treibende Ölteppich auch in den Seitenarmen der kleineren bulgarischen Donau-Inseln verfängt und dadurch die Laichgründe in den dortigen Flutrinnen über längere Zeit verschmutzt.„wichtigsten Wasserkörpers Europas" einsetzen, wenn der derzeit rund 50 Kilometer lange Ölteppich das Donau-Delta erreicht. WWF-Experte Martin Geiger rechnet damit, dass auf jeden Fall eine kleinere Menge durch das Delta bis zur Mündung ins Schwarze Meer fließen wird. Das Donau-Delta liegt im Schnittpunkt vieler Vogelzugstrecken. Die Brut- und Rastplätze von rund 330 verschiedenen Vogelarten wären bei einem Vordringen größerer Ölmengen akut gefährdet. „Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass sich die Kontaminierung des Donau-Deltas mit einer gewissen Menge Öl nicht mehr ganz verhindern lässt", bedauert Geiger fest. Für die nächsten Tage sei mit starken Regenfällen zu rechnen, die das Öl noch schneller weitertreiben und ein Auffangen des Ölteppichs immer unwahrscheinlicher machen.

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