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Ölpest im Libanon: Zeit zum Handeln

16. August 2006

WWF fordert von der EU Beteiligung an Ölbekämpfung im Mittelmeer

 

Hamburg, 16.08.06 - Nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes im Nahen Osten fordert der WWF eine intensive Bekämpfung der Ölpest an der libanesischen und syrischen Mittelmeerküste. „Mit etwa 12.000 Tonnen ausgelaufenem Öl ist dies eine der schwersten Katastrophen, die das Mittelmeer je getroffen hat“, so Christian Neumann vom WWF Deutschland. Zwar stünde auch für den WWF die humanitäre Katastrophe im Vordergrund, doch würde diese durch das Öl noch verstärkt. „Ohne intakte Meere und Fischgründe wird den Menschen vor Ort eine Lebensgrundlage entzogen.“ Der WWF befürchtet, dass die Umweltkatastrophe, die vor vier Wochen durch die Bombardierung eines Kraftwerks in der Nähe von Beirut ausgelöste wurde, Langzeitkosten in Milliardenhöhe nach sich ziehen könne. Für eine endgültige Abschätzung sei es zwar zu früh, aber der WWF erinnerte an die Havarie des Tankers Prestige vor der spanischen Küste im Jahr 2002. Die Kosten für die Aufräumarbeiten und die wirtschaftlichen Einbußen in Fischerei und Tourismus beliefen sich damals auf rund fünf Milliarden Euro.

 

Mehrere Länder, darunter Deutschland hätten inzwischen Unterstützung angeboten. So steht das deutsche Havariekommando in Cuxhaven bereit, Personal und Material wie Ölpumpen und Ölabscheider in die betroffene Region zu schicken. Nun sei es an der Europäischen Union, zügig eine endgültige Entscheidung über ein gemeinsames Vorgehen zu treffen.

 

Der lange Zeitraum, in dem das Öl unkontrolliert die Umwelt belasten konnte, macht dieses Ereignis besonders kritisch. „Jeder weitere Tag verschlimmert die Situation für Mensch und Natur", so WWF-Experte Neumann. Das Öl verklumpt und sinkt auf den Meeresboden und wird immer schwieriger zu beseitigen. Von Meeresboden gelangen die Gifte in die Nahrungskette und können über Speisefische schließlich auch den Menschen erreichen. In Mitleidenschaft gezogen wurde bereits der durch Überfischung ohnehin schon stark dezimierte Bestand am Roten Tunfisch. Das Öl schädigt insbesondere Larven und Jungfische, die sich bevorzugt im flachen Wasser aufhalten. Neben den Fischlaichplätzen gehören Rastgebiete für Zugvögel zu den verschmutzen Regionen.

 

Neue vom UN-Umweltprogramms UNEP vorgelegte Satellitenbilder zeigen, dass der Ölteppich inzwischen vom Libanon nach Norden treibt. Das Öl hat die syrische Küste bereits über eine Länge von knapp 100 Kilometern verseucht. Die Aufnahmen zeigen u.a., dass das Naturschutzgebiet „Palm Islands“ fünf Kilometer vor der Nordküste des Libanon betroffen ist. Die Inselgruppe ist ein wichtiger Nistplatz für die vom Aussterben bedrohten Grünen Meeresschildkröten, die jetzt gerade schlüpfen, und die gefährdeten Unechten Karettschildkröten.

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