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Ölunfälle töten bis zu 20.000 Vögel

31. Januar 2007

WWF: Kaum Überlebenschancen für betroffene Seevögel

 

Hamburg - Der seit drei Wochen anhaltenden Ölpest vor der norwegischen Küste sind nach Schätzungen des WWF 5.000 bis 10.000 Vögel zum Opfer gefallen, darunter Papageientaucher, Trottellummen, Gryllteisten und Eiderenten. Am 12. Januar war der Frachter „Server“ vor der norwegischen Küste auseinander gebrochen und hatte 370 Tonnen giftiges Schweröl verloren. 170 Kilometer Küste sind betroffen. Bislang konnte mit Hilfe des WWF etwa 250 Tonnen veröltes Material eingesammelt werden. Die Reinigungsarbeiten werden noch mehrere Wochen andauern. Während der vordere Teil des Frachters bereits in einen Nothafen geschleppt werden konnte, liegt der hintere Teil noch immer in der Nordsee. Möglicherweise befinden sich hier noch weitere 50 Tonnen Schweröl an Bord.  

 

Auch die Havarie des Containerschiffes „MSC Napoli“ an der englischen Küste vorletzte Woche kostet viele Seevögel das Leben. Bisher wurden 1300 verölte Seevögel gefunden, doch rechnen britische Vogelschützer mit rund 10.000 verölten Vögeln, da viele auf See bleiben und nie gefunden werden. Der Containerfrachter hatte etwa 200 Tonnen Öl verloren.  

 

„Damit sind den sturmbedingten Schiffsunfällen der letzten Zeit bis zu 20.000 Seevögel zum Opfer gefallen“, resümiert WWF-Vogelschutzexperte Hans-Ulrich Rösner. Verölte Vögel haben kaum eine Überlebenschance. Nur wenige von ihnen werden überhaupt noch lebend gefunden. Doch auch die dann oft versuchte Reinigung führt in den seltensten Fällen dazu, dass ein freigelassener Vogel sich wieder in den Wildbestand einfügt. Einzelne Untersuchungen legen den Schluss nah, dass nur ein Prozent dauerhaft überleben. „Die Bemühungen, verölte Vögel zu retten, sind meist vergeblich. Selbst freigelassene Tiere sterben wegen der Folgeschäden oft nach wenigen Wochen oder Monaten“, erläutert WWF-Experte Rösner. „Die Folgen einer Ölpest sind für einen Seevogel kaum wieder gut zu machen.“  

 

Der WWF fordert, in der Schifffahrt grundsätzlich zu einem höheren Sicherheitsbewusstsein zu kommen. So sei die „MSC Napoli“ offenbar nach einem früheren Unfall unzureichend instand gesetzt worden. Beide Unfälle sind während Orkanen erfolgt. Man müsse sich fragen, wie gegenüber Besatzung, Küstenbewohnern und der Natur eine Weiterfahrt überhaupt noch verantwortbar gewesen sei. Nach wie vor sei es das grundlegende Problem, so der WWF, dass in der Schifffahrt keine unbegrenzte Haftpflichtversicherung für angerichtete Schäden verlangt werde. Dies fördert nicht das Sicherheitsbewusstsein der Reeder und belastet den Steuerzahler immer wieder mit den Unfallfolgen.  

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